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Christian Friedrich Hebbel: Gedichte - Kapitel 418
Quellenangabe
titleGedichte
authorFriedrich Hebbel
modified20170830
typepoem
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Zum Schiller-Jubiläum

              Die Welt gleicht immerdar dem Wirt,
    Der sich in seinen Gästen
Zu seinem größten Nachteil irrt,
    Besonders in den besten.

Viel glatte Burschen kehren ein,
    Behängt mit Tand und Flimmer,
Und er, geblendet durch den Schein,
    Vergibt an sie die Zimmer.

Dann kommt wohl noch zur Abendzeit
    Der König still gegangen,
Für den ist kaum ein Loch bereit,
    Mit Lumpen rings verhangen.

Vorm Kärrner sieht man, weiß und rot,
    Die vollen Flaschen stehen,
Der König mag in seiner Not
    Zum nächsten Brunnen gehen.

Doch wenn er längst von hinnen schied,
    So kommt die rechte Kunde,
Und gleich erschallt ein Klagelied
    Aus aller Kellner Munde.

Nun rauben sie den Garten aus
    Mit ängstlichen Gesichtern,
Nun schmücken sie das ganze Haus
    Mit Blumen und mit Lichtern.

Das glänzt und funkelt durch die Nacht,
    Doch kann es wenig frommen,
Denn all die Herrlichkeit und Pracht
    Ist viel zu spät gekommen.

Auch heute spielt das alte Stück
    Und ist noch nicht zu Ende,
So wünscht denn Schiller herzlich Glück,
    Doch klatscht nicht in die Hände.

Und sei, mein Volk, nicht allzu stolz,
    Daß du auch ohne Wage
Den Unterschied von Gold und Holz
    Erkennst am Schiller-Tage.

Denn stets noch horcht das deutsche Reich
    Auf Kotzebuesche Leiern,
Und dafür sollst du doch zugleich
    Den Buß- und Bettag feiern.

 


 

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