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Christian Friedrich Hebbel: Gedichte - Kapitel 415
Quellenangabe
titleGedichte
authorFriedrich Hebbel
modified20170830
typepoem
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Der Prinzeß Marie Wittgenstein

Zur Erinnerung an einen Abend.

                  Ein goldnes Netz im vollen dunklen Haar,
Dazu die Troddel, fremd und wunderbar,
Mit Augen, die mich einst zu reinstem Glück
Begrüßt auf Peruginos schönstem Stück,
Als ich in Rom vor seiner Tafel stand
Und Mond- und Sonnenstrahl zugleich empfand:
So schlägst du hier dem Meister still und stumm
Am Instrument die heil'gen Blätter um,
Der, Herr und Sklav' des Tones, längst die Welt
Und nun auch mich in seinen Banden hält.
Zwar horchst du selbst, doch rührst du dann und wann,
Wie weihend, ihm die wilden Locken an:
Da ist's, als ob er zwiefach Funken sprüht,
Und zwiefach zünden sei mir im Gemüt!
So zeigst du als lebend'ge Muse dich,
Doch nur für ihn – als Nemesis für mich,
Als Nemesis in reizendster Gestalt
Und darum auch mit doppelter Gewalt!
Ihm schenkst du alles, was er je erbat,
Mich mahnst du an vergeßne Missetat,
Die, erst bereut, seitdem ich dich erblickt,
Mir jetzt durch dich die späte Strafe schickt.
Die Schlangenhäuptige ertrüg' ich leicht,
Ich bin der Mann nicht, der so bald erbleicht,
Du aber zwingst mir ein Erröten ab,
Und dieses wird mich brennen bis ins Grab!

 


 

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