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Christian Friedrich Hebbel: Gedichte - Kapitel 195
Quellenangabe
titleGedichte
authorFriedrich Hebbel
modified20170830
typepoem
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Nach dem ersten Abend bei Franconi in Paris

                  Jammer, du rührst mich nicht mehr! Denn daß es dem feurigen Proteus
    In des Odysseus Arm, der ihn nicht einmal befragt,
Der ihn nur stumm erdrückt und an der Verwandlung verhindert,
    Daß es ihm übel behagt, dieses versteht sich von selbst.
Aber, wenn er sich löst und sich die göttliche Freiheit
    Wieder erobert, und wär's auch nur für einen Moment:
Ja, da rührt er mich tief, da fühl' ich mich doppelt und dreifach
    Selber gebunden, da wird eilig das Auge mir feucht.
Zeigt mir ein Bettler die Wunden, so reich' ich ihm freilich den Pfenning,
    Doch ich wusch sie noch nie mild mit der Träne ihm aus,
Aber ich weine dem Lear, und auch nicht, weil es dem König
    Mißlich ergeht in dem Stück, nein, weil ein Mensch es gemacht.
Ja, ich will es bekennen, daß selbst die Reiter-Gesellschaft
    Mir heut abend den Tau süßer Bewundrung entlockt.
Ist es dem Vogel nicht nah, dies zierliche Mädchen? Der Jüngling,
    Beugt er dem dumpfen Gesetz irdischer Schwere sich noch?
Und auf den Schultern des Bruders, das Knäbchen, die Stellungen wechselnd,
    Scheint's nicht lebendiger Ton, welcher nach Laune sich formt?
Gaukeln nicht alle vorüber, wie glänzende Schatten, und zeigen,
    Daß der Leib, wie der Geist, frei ist, sobald er nur will?
Ja, und würde auch jedes ein Opfer des kühnsten Versuches,
    Den die Begeisterung wagt: stürzt denn nicht Psyche noch schön,
Wenn sie's im Taumel vergißt, daß sie den trügrischen Fittich
    Wieder zerschüttet zu Sand, den sie zu mutig bewegt?

 


 

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