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Christian Friedrich Hebbel: Gedichte - Kapitel 171
Quellenangabe
titleGedichte
authorFriedrich Hebbel
modified20170830
typepoem
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Unsere Zeit

            Es ist die Zeit des stummen Weltgerichts;
    In Wasserfluten nicht und nicht in Flammen:
    Die Form der Welt bricht in sich selbst zusammen,
Und dämmernd tritt die neue aus dem Nichts.

Der Dichter zeigt im Spiegel des Gedichts,
    Wie Tag und Nacht im Morgenrot verschwammen,
    Doch wird er nicht beschwören, nicht verdammen,
Der keusche Priester am Altar des Lichts.

Er soll mit reiner Hand des Lebens pflegen,
    Und, wie er für des Frühlings erste Blüte
        Ein Auge hat und sie mit Liebe bricht:

So darf er auch des Herbstes letzten Segen
    Nicht übersehn, und die zu spät erglühte
        Nicht kalt verschmähen, wenn den Kranz er flicht.

 


 

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