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Christian Friedrich Hebbel: Gedichte - Kapitel 149
Quellenangabe
titleGedichte
authorFriedrich Hebbel
modified20170830
typepoem
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Thorwaldsens Ganymed und der Adler

        Knabe, süßer, wunderbarer,
    Unterm Kuß des Zeus gereift,
Blüte, die in leuchtend-klarer
    Schönheit nie der Wind gestreift:

Sorgsam tränkst du und ästhetisch,
    Wenn auch halb gelangeweilt,
Hier den Aar, der gravitätisch
    Schmaust und wenig sich beeilt.

Mancher würde ungeduldig,
    Und er hätte Grund genug,
Doch du denkst: Ich bin's ihm schuldig,
    Weil er zum Olymp mich trug;

Weil er schnell, mich fester fassend,
    In die Wolken mich entrückt,
Als ich, schwindelnd und erblassend,
    Unter mich hinabgeblickt;

Ja, weil er sogar die Klauen
    Unterm Fittich-Paar verhüllt,
Die mich fast mit größerm Grauen,
    Als der Abgrund selbst, erfüllt.

Solltest doch ins Ohr ihm raunen:
    Spute dich zu deinem Heil;
Denn schon wölkte Zeus die Braunen,
    Und – da fällt der Donnerkeil!

Auf, mein Vogel, dienstbeflissen!
    Wie du auch das Auge rollst!
Du, o Knabe, wirst schon wissen,
    Wo du dich erholen sollst!

 


 

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