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Gedichte

Gustav Falke: Gedichte - Kapitel 77
Quellenangabe
titleGedichte
authorGustav Falke
modified20170815
typepoem
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Der Rittmeister

            Eine Schwadron am Waldessaum,
Schwarze Husaren. Stehn wie der Baum,
Die Linke am Sattelknopf.
Vergoldet vom letzten Tagesstrahl
Pferdehals, blitzender Reiterstahl,
Kolpak und Totenkopf.

Dreißig Schritte vor der Front
Der Rittmeister grell übersonnt,
Den Säbel mähnenquer.
Tief in die bleiche Stirn gerückt
Die Pelzmütze, späht er vorgebückt,
Mit Geierblick umher.

Links auf leichtem Schimmel dicht
Sein Trompeter, ein flachsblond Milchgesicht.
Der sieht mit leisem Graun
Ihn reglos halten auf dem Fleck,
Wie festgewurzelt Mann und Scheck,
Ein Bild aus Stein gehaun.

Säbelwink! Signal! Tra–a–ab! Trab!
Nun jagt der Viktoria die Kränze ab,
Und wenn sie die Hölle verschanzt.
Mit hartem Huf stampft Feld und Frucht
Schnellfüßige Siegeseifersucht,
Daß Kraut und Scholle tanzt.

Hurra! in den Feind! Dragoner sinds. Drauf!
Walkt sie, Jungen! Haut sie zu Hauf!
Klinge an Klinge blitzt.
Der Rittmeister mitten im dichtesten Knaul.
Rechts herab, links herab, hoch vom Gaul.
Und jeder Hieb, der sitzt.

Das ist ein Zerren, Stich und Stoß,
Ein Sinken, Stürzen sattellos.
Brüllend prallt Wut in Wut.
Und wie verzogen sind Staub und Schwall,
Geglättet ruhn die Wogen all,
Im Sand verrinnt die Flut.

Zerrissen Roß und Reiter, weh!
Gefallen wie Halme im Sommer jäh,
Vorm Siegessichelschlag.
Am Boden bügellos Held an Held,
Reiterlos rasen die Pferde durchs Feld,
Blutrot stirbt der Tag.

Nur einer entkam. Ihn trug sein Scheck
Mit hastendem Huf aus Schlacht und Schreck.
Der Strauß war fast zu heiß!
Er schlägt von der Attila Staub sich und Sand
Und wischt sich mit der flachen Hand
Aus Augen und Stirn den Schweiß.

Ein hämisch Grinsen kriecht hervor,
Zieht ihm den Mund von Ohr zu Ohr:
Heut wars nach meinem Sinn.
Dann wendet seinen Gaul im Schritt
Und brütet neuen Grausenritt
Der Tod still vor sich hin.

 


 

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