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Gedichte

Gustav Falke: Gedichte - Kapitel 65
Quellenangabe
titleGedichte
authorGustav Falke
modified20170815
typepoem
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Einsame Kate

                Der Nebel braut über nacktem Land,
Man sieht die schwarzen Schollen kaum.
Wie eine dicke graue Wand
Ragt der Wald überm Ackersaum.

Hinter kahlen Hecken versteckt,
Kauert eine Kate, niedrig und schief,
Als ob sie, vom Nebel zugedeckt,
Den ganzen Winter so verschlief.

Zwei Weiden sträuben ihr spärlich Geäst
Vor der Tür, ein morsches Stumpfenpaar.
Eine alte Krähe hockt hier fest,
Als hockte sie hier das ganze Jahr.

Sie rührt sich nicht, den Balg gebläht,
Den grauen Kopf tief eingeduckt.
Nur ihr schläfriges Blinzeln verrät,
Daß sie der Tod noch nicht verschluckt!

Einmal wippt sie ein wenig vor,
Hockt aber gleich wieder hin. Es war
Ja nur das alte Katentor,
Das knarrte und quarrte. Keine Gefahr.

Ein altes Mütterchen hinkt aus dem Haus,
Blinzt blöde in die Nebelwelt
Und streicht sich das Haar aus der Stirn heraus,
Gelbgraue Strähne. Das fällt, wies fällt.

Ein winziges Beet, schwarz und feucht,
Liegt vor der Tür. Sie scharrt dabei
Herum und purrt um ein weißes Geleucht,
Erste Schneeglöckchen, zwei, drei.

Sie schnäuzt sich, fährt mit der flachen Hand
Über das welke Runzelgesicht,
Hustet und spuckt in den nassen Sand.
Der Nebel ist gar zu schwer und dicht.

Hüstelnd hinkt sie ins Haus. Das Tor
Kreischt kläglich, wie kleine Kinder schrein.
Die Krähe wippt ein wenig vor,
Schlägt mit den Flügeln und duckt wieder ein.

Kein Laut. Die alte Kate liegt
Wie tot, es piept nicht eine Maus.
Jetzt ein Krächzen. Schwerfällig fliegt
Die Krähe in den Nebel hinaus.

 


 

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