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Gedichte

Paul Fleming: Gedichte - Kapitel 9
Quellenangabe
titleGedichte
authorPaul Fleming
modified20170815
typepoem
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Loob eines Soldaten zu Fusse.

                    Ich bin ein Mann ins Feld: mein kühner Muth ist grooß.
Ist grösser als ich selbst / ich fürchte keinen stooß.
Ich scheue keinen Schuß. Die Liebe so zu leben
Hat mier in meinen Sinn von Jugend an gegeben /
Daß ich mich was versuuch'. Es wird nicht iedermann
Zum Kriege außerkohrn. Wer Pulver riechen kann /
Auff balg und stooß besteht / nicht die Karthaunen scheuet /
der ist ein Mann / wie ich. Ist einer der sich freuet /
wenn itzt der laute Lärm mit vollen Spielen geht /
und uns der kühne Feind im blancken Felde steht /
So binn auch warlich ichs. Wier treuen Kammeraden
Stehn als für einen Mann. Die schiessen / jene laden.
Wir wechseln emsig ümm. Wir schreyn einander zu /
Daß keiner etwan nicht / was ihm verfänglich / thu.
Wier fechten brüderlich. Der Feind wird abgehalten /
daß er /wie stark er kömmt die Ordnung nicht kann spalten.
Wier weichen keinen Schritt. Gleich wie ein ieder steht /
da fällt / da stirbt er auch. Was ist uns mehr zurükke /
ümm alles unser Thunn / ümm Glükk und Ungelükke /
Als wenn mann stirbet wohl. Wohl aber sterben heisst /
Wenn mann mit lust / ohn schmertz / und bald sein Bluut vergeust /
Gleich wie es hier geschieht. Die ritterlichen Wunden
Empfängt mann ins Gesicht'. An mier wird keine funden /
Die auff den Rükken sey. Die Stürmen und die Schlacht
die gestern noch geschah / sind unser Zier und Pracht.
Die Tugend sieht so aus. Wenn denn nach vielen streichen
Nach langer Fechtens-Zeit die müden Feinde weichen /
da sind wier Herren erst / da wächset uns der Muut /
der zwar nie kleine war. Da kriegt man Geld und Guut /
Mehr als mann haben wil. Wier machen frische Beute.
Das Vaterland wird froh. Wier retten Land und Leute /
und machen sie auch arm / nach dem das Glükke fällt.
Die Herren sind uns gleich. Wier stehen feil ümm Geld.

 


 

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