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Gedichte

Paul Fleming: Gedichte - Kapitel 71
Quellenangabe
titleGedichte
authorPaul Fleming
modified20170815
typepoem
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An seine Thränen /
Als Er von Ihr verstossen war.

              Fliest / fliest so / wie Ihr thut / Ihr zweyer Brünnen Bäche.
Fliest ferner / wie bißher mit zweymahl stärckrer Fluht.
Fliest / wie ihr habt gethan / und wie ihr itzt noch thut /
daß ich mich recht an der / die euch erpresset / reche.
    Fliest immer Nacht und Tag / ob sich ihr Sinn / der freche /
der Feind-gesinnte Freund / das hochgehertzte Blut /
das mich ümm dieses hasst / dieweil ich ihm bin gut /
durch eine stetigkeit und große Stärcke breche:
    Die Tropfen waschen aus den fästen Marmelstein.
Das weiche Wasser zwingt das harte Helffenbein.
Auch Eisen und Demant muß feuchten Sachen weichen.
    Fliest ewig / wie ihr fliest. Es ist ja müglich nicht /
daß einst der harten nicht ihr fleischerns Hertze bricht /
das lange keinem Stahl' und Steine sich mag gleichen.

 


 

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