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Gedichte

Paul Fleming: Gedichte - Kapitel 26
Quellenangabe
titleGedichte
authorPaul Fleming
modified20170815
typepoem
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Ode
An Herrn Grahmannen / als derselbte in Astrachan
den m. dc. xxxijx. wie vorigen Jahres zu Ardefil
in Persien von einer hitzigen höchst-
gefährlichen Kranckheit wieder
genaß.

          Vertrauter meines Hertzen
Nun ist das fünffte Jahr /
In ernsten und in schertzen /
In Freuden und Gefahr /
In Mangel und in Fülle /
und wies auff Reisen fällt /
Mein Wunsch und gantzer Wille /
durch / in / und aus der Welt:

    Ergäntze dein Gemühte /
das halb gestorben lebt /
und kühl dir das Geblüte /
das so für Hitze klebt;
Auch diesen Stoß den herben /
verrückst du aus dem Ziel';
Es lest sich nicht so sterben /
als wie der Würger wil.

    Dem heissen Perser-Lande
gefalle seine Gluht;
Der Tartereyen Sande /
Sey seine Dürre gut.
Ich lobe deine Felder /
Europe / deine Lufft /
dein Wasser / deine Wälder
die wir so offt gerufft.

    Komm / laß uns alle Mühen
und was uns hat gekränckt /
mit Zucker überziehen /
in Weine seyn vertränckt.
Kein Wermuht ist so bitter /
der nicht auch Honig hält;
So steht sichs wie ein Ritter /
So fällt sichs wie ein Held.

    Da lebt / da stirbt sichs süße
wo Lust kein' unlust hat /
komm mach dich auff die Füße:
Diß schafft dir deine Stadt.
Behalt dich deinen Freuden
und deinen Freunden vor /
und weise deinem Leiden
das auffgesperrte Thor.

    Komm Bruder laß uns eilen /
Wir haben hohe Zeit;
Zerreisse diß verweilen /
und tödte selbst dein Leid.
Der Donner ist verschwunden;
Der Regen ist vorbey;
Apollo wird empfunden /
und du bist frisch und frey.

 


 

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