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Gedichte

Paul Fleming: Gedichte - Kapitel 19
Quellenangabe
titleGedichte
authorPaul Fleming
modified20170815
typepoem
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An H. Martin Christenien /
über Ableben dessen Vatern / Mutter
und Schwester.

            Liebster nach dem Liebsten du /
O du meiner Freunde Seele /
Gieb doch / Bruder / gieb doch zu /
daß ich mich mit dir auch quäle /
Der du in viel Todten stirbst /
und in keinem doch verdirbst.

    Ach! was ist das Leben doch /
in dem nichts als sterben lebet.
ärger ist es / ärger noch /
als der Todt der vor uns schwebet /
Der / wie sehr man nach ihm greifft /
stetigs weicht und von uns läufft.

    über das so große Leid /
daß der ungestüme Würger
nun so eine lange Zeit
gegen dich und seine Bürger
außgeübt / und noch hält an /
war dein größtes nicht gethan.

    Dein Raub aus so mancher Noth /
dein Trost / deiner Jugend Freude /
alles ist auff einmahl todt /
Ihm zur Ruh und dir zu Leide.
Deine Liebsten von der Welt
hat das strenge Recht gefällt.

    Drey auff einmahl ist zu viel.
Vater / Mutter / Schwester fallen.
Was ist deiner Hoffnung Ziel /
du betrübtster unter allen?
Eine Grufft hat sie und dich /
und den andern dich / auch mich.

    Wie ist aber ihm zu thun?
Was so hin ist kömmt nicht wieder.
Wol dem / der in sich kan ruhn /
der läßt seine Segel nieder /
wenn das Wetter hat sein Spiel /
und der Wind nicht fugen wil.

    Laß den Zeiten ihren Lauff.
Was der Himmel heißt geschehen /
das hält man vergebens auff.
Auff den Höchsten muß man sehen /
der uns dreyfach offt betrübt /
weil Er uns auch dreyfach liebt.

    Tröste dich und schau auff mich.
Ich verzeihe mich der meinen.
Heute trifft das Elend dich.
Ich vielleicht muß morgen weinen.
Bevoraus / weil ich forthin
weit von Euch / ihr lieben bin.

    Mutter Deutschland / und auch ihr /
Vater / Mutter / Schwester / Freunde /
mein / erläubet diß doch mir /
daß ihr mehr wünscht eurem Feinde /
daß ich ferner Länder Zier
unserm Meissen setze für.

    Ist mir Gott und Glücke gut /
daß ich mit gelehrten Küssen /
wie mein Opitz täglich thut /
Euch hinwieder soll begrüßen /
Denn soll meiner Verse Lust
auch bey Fremden seyn bewust.

    Meynt nicht / wie der Pöfel spricht /
Mitternacht sey gantz ohn Ehren.
Persien das habe nicht /
was uns könne Weißheit lehren.
Denckt / daß in der Barbarey
alles nicht barbarisch sey.

    Meine Poesie steht hier /
und verpflichtet sich bey treuen /
dermahl eins soll ihre Zier
nur zu eurer Lust gedeyen.
Euer ists / was sie begehrt /
und in fremder Welt erfährt.

    Du indessen / denck' an dich /
O du Hertze voller Sorgen /
denck' an dich / und auch an mich /
und an jenen lieben Morgen /
da dein Leid und meine Pein
erst soll recht bethauret seyn.

 


 

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