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Gedichte

Paul Fleming: Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
titleGedichte
authorPaul Fleming
modified20170815
typepoem
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Elegie
An sein Vaterland.

        Ach! daß ich mich einmahl doch wieder solt' erfrischen
    an deiner reichen Lust / du edler Mulden-Fluß /
Da du so sanffte gehst inn bergichten Gepüschen /
    da / da mein Harttenstein mier boht den ersten Kuß.
Wie jung / wie klein' ich auch ward jener Zeit genommen
    aus deiner süßen Schooß / so fällt miers doch noch ein /
Wie offt' ich lustig hab' inn deiner Fluth geschwommen.
    Mier träumet offte noch / als solt' ich ümm dich seyn.
Itzt wolt' ich mier erst Lust / und dier Ergötzung schaffen.
    Inn dem ich nach der Kunst / die mich und dich erheebt /
Ein unerhörtes Lied / nicht von Gradivus Waffen /
    Für dem du nun / Gott loob / itzund hast außgebeebt /
Ein Lied / von stiller Ruh' / und sanfftem Leeben spielte /
    Wie unser Maro itzt bey seinem Bober thut /
Ein Lied / das Himmel hätt' / und etwas solches fühlte /
    das nach der Gottheit schmekk' / und rege Muth und Bluth.
Als ich denn pflag zu tuhn vor sieben halben Jahren /
    (Wo ist sie itzund nun / die liebe schöne Zeit!)
Da ich so helle sang bey Philyrenens Paaren /
    daß sich mein Thoon erschwung biß an die Ewigkeit.
Ich sang der deutschen Ruhm / und ihrer theuren Printzen /
    Biß Mars mich da trieb' aus / der Unhold aller Kunst.
Da macht' ich mich beloobt bey vielerlei Provintzen /
    das Lief- und Rußland auch mier boten ihre Gunst.
Rubelle / die ich pflag mehr als mich selbst zu lieben /
    Rubelle / von Gestalt und Sitten hooch-benahmt /
dieselbe hatte mier die Pest auch aufgerieben.
    Doch hat sich ihre Frucht inn mier sehr reich besaamt.
Die weisse Balthie / ümm die zu einem Schwane
    Zeus itzt auch würde noch / fing mich mit ihrer Zier.
Nach dieser wurd mier hold die lange Roxolane.
    Ach! aber / ach! wie weit binn ich von beyden hier!
Zwar / es verstattet mier das Kaspische Gestade /
    daß ich ümm seinen Strand mag ungehindert gehn:
Auch bittet mich zur zeit zu Ihrem schönen Bade /
    Auff urlaub deß Hyrkans / manch' Asische Siren'.
Ich binn den Nymfen lieb / den weichen Zirkassinnen /
    Dieweil ich ihnen fremd' und nicht zu heßlich binn.
Und ob einander wier schoon nicht verstehen können /
    So kan ihr Auge doch mich günstig nach sich ziehn.
Was aber soll ich so / und auff der Flucht nur lieben.
    Kupido wird durch nichts / als stätigkeit vergnügt.
Was den zu laben scheint / das macht ihm nur betrüben /
    der allzeit alles hat / und niemahls nichts doch kriegt.
Ich stürbe miers denn ab / so hoff' ichs zu erleeben /
    Daß / wenn ich diesen Lauff zu ende habe bracht /
Ich dier den ersten Kuß / O Landsmannin wil geeben /
    Was ferner kann geschehn / das laß ich ungedacht.

Vor Terkij der Zirkassen /
m. dc. xxxvj. den jx. November
.

 


 

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