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Johannes Daniel Falk: Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
titleGedichte
authorJohannes Daniel Falk
modified20170815
typepoem
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An das Nichts

                Erhabne Mutter unsrer Erde,
O Nichts, du Urquell alles Lichts,
Dir tönt mein Lied. Gott sprach: Es werde!
Da ward die ganze Welt aus Nichts.

Versprechungen der Großwesire,
Aprillengunst des Hofgezüchts,
Prälatendemut, Mädchenschwüre,
Baut nimmer drauf! Ihr baut auf – Nichts.

Macht, Herrschaft über Meer und Länder,
Pomp, Herrlichkeit des Bösewichts,
Stern, Ludwigskreuz und Ordensbänder,
Was sind sie einem Weisen? – Nichts.

Ha, was stolzierst denn du auf Ahnen,
O hochgeborner Taugenichts!
Du pflegst des Weidwerks, hegst Fasanen,
Und was verdankt dir Deutschland? – Nichts.

Selbst philosophische Systeme –
Kants Lieblingsjünger, Reinhold, spricht’s –
Von Plato bis auf Jakob Böhme,
Sie waren samt und sonders – Nichts.

Was füllt, wenn eine Schlacht verloren,
Den Auszug manches Hofberichts?
Was das Gehirn der Senatoren
In mancher deutschen Reichsstadt? – Nichts.

O wie so schön zum Ringelkragen
Steht dieser Ernst des Amtsgesichts!
Jetzt schließt die Session. – Der Wagen
Rollt vor. – Was ward beschlossen? – Nichts.

Was ist der Inhalt oft, ihr Musen,
Des hochgepriesensten Gedichts?
Was schwellt des Modefräuleins Busen
Und der Poeten Börse? – Nichts.

Monarchen, Opfer der Chimäre
Des europä’schen Gleichgewichts,
Der Kern zahlloser Kriegsheer
ist hingeopfert, ach! um – Nichts.

Wohlan, dingt neue Legionen!
Einst fragt der Herr des Weltgerichts:
Warum erschlugt ihr Millionen?-
Was könnt ihr ihm erwidern? – Nichts.

Laß blutig rot Kometen flammen!
Verlisch, o Glanz des Sonnenlichts!
Du schöner Weltbau, stürz zusammen!
Auf Trümmern triumphiert das – Nichts. –

Was bin ich selbst? – Ein Kind der Erde,
Der Schatten eines Traumgesichts,
Der halbe Weg von Gott zum Werde,
Ein Engel heut, und morgen – Nichts.

Ich steig auf Felsen, ich erklimme
Gebirg im Strahl des Mondenlichts:
Wo find ich Ruh? – Ach! Eine Stimme
Ruft dumpf: Im Schoß des alten Nichts. –

 


 

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