Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte - Kapitel 365
Quellenangabe
titleGedichte
authorJohann Wolfgang von Goethe
typepoem
created20170703
correctorgerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Dilettant und Kritiker.

                          Es hatt' ein Knab' eine Taube zart,
Gar schön von Farben und bunt,
Gar herzlich lieb nach Knabenart
Geätzet aus seinem Mund,
Und hatte so Freud' am Täubchen fein,
Daß er nicht konnte sich freuen allein.

Da lebte nicht weit ein Altfuchs herum,
Erfahren und lehrreich und schwätzig darum;
Der hatte den Knaben manch' Stündlein ergötzt,
Mit Wundern und Lügen verprahlt und verschwätzt.

»Muß meinem Fuchs doch mein Täubelein zeigen!«
Er lief und fand ihn strecken in Sträuchen.
»Sieh, Fuchs, mein lieb Täublein, mein Täubchen so schön!
Hast du dein Tag so ein Täubchen gesehn?«

Zeig' her. – Der Knabe reicht's. – Geht wohl an;
Aber es fehlt noch Manches dran.
Die Federn, zum Exempel, sind zu kurz gerathen. –
Da fing er an, rupft' sich den Braten.

Der Knabe schrie. – Du mußt stärkre einsetzen,
Sonst ziert's nicht, schwinget nicht. –
Da war's nackt – Mißgeburt – und in Fetzen!
Dem Knaben das Herze bricht.

Wer sich erkennt im Knaben gut,
Der sei vor Füchsen auf seiner Hut.

 


 

 << Kapitel 364  Kapitel 366 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.