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Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte - Kapitel 301
Quellenangabe
titleGedichte
authorJohann Wolfgang von Goethe
typepoem
created20170703
correctorgerd.bouillon@t-online.de
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An Gotter

                          Schicke dir hier den alten Götzen,
Magst ihn zu deinen Heilgen setzen
Oder magst ihn in die Zahl
Der Ungeblätterten stellen zumal.
Habs geschrieben in guter Zeit,
Tags, Abends und Nachts Herrlichkeit,
Und find nicht halb die Freud so mehr,
Da nun gedruckt ist ein großes Heer.
Find, daß es wie mit den Kindern ist,
Da doch wohl immer die schönste Frist
Bleibt, wenn man in der schönen Nacht
Sie hat der lieben Frau gemacht.
Das andre geht dann seinen Gang,
Und Rechnen, Wehn und Tauf und Sang.
Mögt euch nun auch ergötzen dran.
So habt ihr doppelt wohlgetan.

Magst, wie ich höre, dann allda
Agieren, tragieren Komödia
Vor Stadt und Land und Hof und Herrn,
Die sähn das Schattenspiel wohl gern.
So such dir denn in deinem Haus
Einen rechten tüchtigen Bengel aus
Und gib ihm die Roll von meinem Götz,
In Panzer, Blechhaub und Geschwätz.
Dann nimm den Weisling vor dich hin,
In Pumphos, Kragen und stolzem Kinn,
Und Spada wohl nach Spanier Art,
Und Weitnaslöchern, Stützleinbart,
Und sei ein Falscher an den Frauen,
Laß dich zuletzt vergiftet schauen.
Und bring, da hast du meinen Dank,
Mich vor die Weiblein ohn Gestank.
Mußt alle garstgen Worte lindern,
Aus Scheißkerl Schurken, aus Arsch mach Hintern
Und gleich' das alles so fortan,
Wie dus wohl ehmals schon getan.

 


 

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