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Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte - Kapitel 22
Quellenangabe
titleGedichte
authorJohann Wolfgang von Goethe
typepoem
created20170703
correctorgerd.bouillon@t-online.de
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bei einem gesellschaftlichen Fragespiel.

Die Dame.

        Was ein weiblich Herz erfreue
In der klein und großen Welt?
Ganz gewiß ist es das Neue,
Dessen Blüthe stets gefällt;
Doch viel werther ist die Treue,
Die auch in der Früchte Zeit
Noch mit Blüthen uns erfreut.

Der junge Herr.

Paris war in Wald und Höhlen
Mit den Nymphen wohl bekannt,
Bis ihm Zeus, um ihn zu quälen,
Drei der Himmlischen gesandt;
Und es fühlte wohl im Wählen,
In der alt und neuen Zeit,
Niemand mehr Verlegenheit.

Der Erfahrene.

Geh den Weibern zart entgegen,
Du gewinnst sie auf mein Wort;
Und wer rasch ist und verwegen,
Kommt vielleicht noch besser fort;
Doch wem wenig dran gelegen
Scheinet, ob er reizt und rührt,
Der beleidigt, der verführt.

Der Zufriedne.

Vielfach ist der Menschen Streben,
Ihre Unruh, ihr Verdruß;
Auch ist manches Gut gegeben,
Mancher liebliche Genuß;
Doch das größte Glück im Leben
Und der reichlichste Gewinn,
Ist ein guter leichter Sinn.

Der lustige Rath.

Wer der Menschen thöricht Treiben
Täglich sieht und täglich schilt,
Und wenn Andre Narren bleiben,
Selbst für einen Narren gilt,
Der trägt schwerer, als zur Mühle
Irgend ein beladen Thier.
Und, wie ich im Busen fühle,
Wahrlich! so ergeht es mir.

 


 

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