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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 183
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Wanderlied

       

Glück auf! Nun will ich wandern
Von früh bis abends spät,
Soweit auf dieser Erde
Die Sonne mit mir geht!

Ich führe nur Stab und Becher,
Mein leichtes Saitengetön;
Ich wundre mich über die Massen,
Wie's überall so schön!

Oft ist die Ebene schöner
Als meine Berge, so hoch!
Und wo kein blauer Himmel,
Gibt's Purpurwolken doch.

Und wo kein schmachtender Lotos,
Wächst blühendes Heidekraut,
Wo keine gotischen Dome,
Sind ionische Tempel gebaut.

Und bin ich des Griechischen müde,
So lockt mich die Moschee;
Ich kleid' in maurische Schnörkel
Mein abendländisches Weh.

Das Heimweh nach der Wirtin!
Sie find' ich in keinem Haus,
Und nach der einzig Einen
Jag' ich weltein und aus.

Heida, du wilder Jäger,
Du Bauer dort im Kraut,
Hast du, verwegner Schiffer,
Die Wirtin nirgends geschaut?

Frau Freiheit heisst die Schönste
Sie ist von keuschem Blut;
Sie hält sich Wanderschuhe
Und einen Reisehut.

Wo kocht sie jetzt die Rüben?
Wo mahlt sie jetzt ihr Korn?
Wo striegelt sie die Knechte?
Wo reutet sie den Dorn?

Sie ist eine Melusine,
Wer sie hat und nach ihr fragt,
Dem wandert sie aus dem Hause
Früh morgens, eh' es tagt!

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