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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 148
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Rosenwacht

       

Im Glase blüht ein frischer Rosenstrauss,
Daneben webt ein Jünglingsleben aus;
Ins Zimmer bricht der volle Abendglanz
Welch schönes Bild in einen Totentanz!

Von rotem Golde taut das Sommerland,
Die Reb' am Fenster und die Kammerwand,
Der Sterbenskranke und sein Linnentuch,
Das Kirchenmännlein und sein schwarzes Buch.

Du armer Dunkelmann, was suchst du hier?
Die Menschen nicht, noch Blumen lauschen dir!
Nach Westen neigen sie sich insgesamt:
Die Sonne hält das heil'ge Totenamt.

Wie abendschön des Kranken Antlitz glüht,
Dass kaum man ahnt, wie weiss der Tod da blüht!
Sein Nachtmahlkelch ist flüssig Sonnengold,
Wie durstig trinkt er diesen Liebessold!

Und scheidend winkt der letzte Sonnenstrahl,
Erkaltet und verglüht sind Berg und Tal,
Das junge Menschenkind ist bleich und tot,
Die Rosen sind geblieben frisch und rot.

So halten die Vergänglichen die Wacht
Beim stillen Manne bis zur dritten Nacht;
Dann legen sie bescheiden ihr Gewand
Dem Herrn des Lebens in die Vaterhand.

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