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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 136
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Nikolai

               

Unabsehbar auf der Steppe lieget nah und lieget ferne
Ohne Ton die Himmelsglocke, sonder Farbe, sonder Sterne.

Unaufhörlich Schneegestöber niederweht auf Dorn und Steine,
Deckend in den Wagengleisen bleiche polnische Gebeine.

Horch, was sauset im Galoppe wie ein Geisterzug vorüber?
Langgestreckt schwirrt an der Erde eine wilde Jagd hinüber.

Mäntel flattern, Reiter flogen, bärt'ge Reiter windgetragen,
Rings umschwebt von ihren Lanzen ohne Räder glitt ein Wagen.

Leise zittert noch die Heide; doch dann wird es stille wieder,
Nur der Schnee in weissen Flocken fällt mit stummer Last hernieder.

Und ein Rabe sitzt im Dorne, rauscht empor und krächzet heiser
Durch die ausgestorbnen Lüfte: »Russenkaiser! Russenkaiser!«

Wieder hallt es in den Höhen, und die grauen Lüfte sprechen,
Wie mich dünkt, mit kaltem Hauche: »Wie ein Rohr wird er zerbrechen!«

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