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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 130
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Nachhall

           

Sieh den Abendstern erblinken
Tief im Westen, schön und hell!
Lieblich ist und gut zu trinken
Dieser Nachtluft lauer Quell!

Komm heraus, du junges Leben!
Komm, so leis dein Fuss dich trägt!
Recht in Lieb' und Traum zu schweben
Wär' ich jetzund aufgelegt.

Und ich habe, dir zu Ehren,
Einen guten Freund gebracht;
Minnesang will der uns lehren
Durch die kurze Sommernacht.

Liebeslieder sollen schallen,
Die vor alten Zeiten schon
Schönen Frauen wohl gefallen,
Und er weist uns ihren Ton!

Lass uns einmal rückwärts fliegen
In die Welt, so jugendfern!
Solcher Schwärmerei dich schmiegen,
Weiss ich, mochtest sonst du gern.

»Sie kommt nicht?« fragt mein Begleiter,
»Und schon wird es morgenrot?«
Wahr ist es! so sag' ich weiter,
Denn sie ist, wie du, schon tot!

Armer Ritter, lass uns gehen,
Hurtig such' dein kühles Haus,
Denn des Morgenwindes Wehen
Lacht uns grosse Kinder aus!

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