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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 126
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Mönchspredigt

       

Es schlägt der Mönch aufs Kanzelbrett
Und macht gar schlimme Witze;
Sein Hals ist kurz, der Atem fett,
Sein Wort voll roter Hitze.

Er endet just, mit glühndem Hauch
Die Hölle heiss zu schildern;
»Gott selber,« schreit er, »wollt' er auch,
Kann jene Qual nicht mildern!

Gott schloss der Hölle schwarz Portal
Und hat den Schlüssel verloren!
Solange Gott lebt, lebt die Qual,
Das ist euch zugeschworen!«

Er rief's; der böse Schwaden steigt
Aus seinen Eingeweiden;
Still rührt der Schlag – der Lästrer schweigt
Und endet ohne Leiden.

Ihr Christenleute, zittert nicht
Ob seinen wilden Scherzen!
Die Qual ist aus, die Hölle bricht,
Sie brach mit seinem Herzen!

Uns ist auf seiner fahlen Stirn
Ein guter Trost erworben:
Der böse Gott in seinem Hirn
Ist still mit ihm verdorben!

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