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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 125
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Mit einer Reisskohle

       

Gefächelt von der Lüfte Schwingen,
Zeigt's deines Mundes hohe Rosenglut
Und knistert leis, wie deine Lippen singen,
Wenn ein geheimer Traum bewegt dein Blut.

Nun schweigt das Knistern, stirbt die Röte,
In tiefe Nacht versinkt der Fünklein Tanz;
Nun ist es tot und schwarz, was überböte
Die Schwärze, als dein Haar im Morgenglanz?

Noch warm nehm' ich die zarte Leiche
Und schreib' auf deines Flurs besonnten Stein
Ihr art'ges Leben, dem das deine gleiche,
So hoch erglühend und so schlicht und rein!

»Ich war ein Bäumlein auf den Rainen,
Mein Mark war weich und weiss, die Blättlein grün,
Ich sah die Sonne feurig niederscheinen,
Dann brannt' ich selber, selig im Verglühn!

Was von mir blieb, zeigt noch die Triebe
Der Adern und der Jahresringe Lauf;
Schreib froh mit mir, Poet, den Preis der Liebe
Und brauch' mich ganz zu deinem Liede auf!«

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