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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 114
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Krötensage

       

Des Berges alte Wangen sind
Von Maiensonne beschienen;
Sie lächeln unter Quellenglanz,
Die Schilfe, die Farren ergrünen.

Die Kröte springt aus dem Kieselstein,
Ein Hirt hat ihn zerschlagen;
Sie schaut verdrossen die Scherben an
Und sie beginnt zu sagen:

»Viel tausend Jahre bin ich alt
Samt diesem Futterale!
Es schob vom hohen Felsgebirg
Allmählich mit mir zu Tale.

Doch manchmal in der Wasser Sturz
Sind wir gewaltig gesprungen;
Dann hat's um meine dunkle Klausur
Gesungen und geklungen.

Und wie mir ist – ich weiss es nicht,
Noch was ich getrieben indessen;
Ich hab' im mindesten nichts gelernt
Und hatte nicht viel zu vergessen.

Ein warmer Regen, ein grünes Kraut
Nur konnten mir behagen;
Sie liegen mir fort und fort im Sinn
Aus fernen Jugendtagen.

So hab' ich ein langweilig Stück
Unsterblichkeit erworben;
Hätt' ich getrunken lebendige Luft,
Längst wär' ich vernünftig gestorben.«

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