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Gottfried Keller: Gedichte - Kapitel 106
Quellenangabe
typepoem
titleGedichte
authorGottfried Keller
senderh.guhl@bluewin.ch
created1999
modified20170529
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Jeder Schein trügt

       

Ich weiss ein Haus, das ragt mit stolzen Zinnen,
Frei spielt das Licht in allen seinen Sälen,
Sein Giebel schimmert frei von allen Fehlen,
Kein Neider schilt's, nicht aussen und nicht innen.

Nur wer es weiss mit Klugheit zu beginnen,
In seine Grundgewölbe sich zu stehlen,
Sieht üppig feuchten Moder dort verhehlen
Von dicken Schlangen wahre Königinnen.

Doch würde der sich auch betrogen haben,
Der rasch empor die Treppe wollte steigen,
Die Feinde mit der Kunde zu erlaben:

Denn tiefer noch, im allertiefsten Schweigen,
Da liegt ein ungehobner Schatz begraben,
Der niemals wird dem Tage wohl sich zeigen.

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