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Detlev Freiherr von Liliencron: Gedichte - Kapitel 55
Quellenangabe
typepoem
authorDetlev von Liliencron
year2017
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
sendergerd.bouillon@t-online.de und andere
modified20170529
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Krieg und Frieden.

 

            Ich stand an eines Gartens Rand
und schaute in ein herrlich Land,
das, weit geländet, vor mir blüht,
drin heiß die Erntesonne glüht.
Und Arm in Arm, es war kein Traum,
mein Wirt und ich am Apfelbaum,
wir lauschten einer Nachtigall,
und Friede, Friede überall.
Ein Zug auf fernem Schienendamm
kam angebraust. Wie zaubersam!
Er brachte frohe Menschen her
und Güterspenden, segenschwer.

Einst sah ich den metallnen Strang
zerstört, zerrissen meilenlang.
Und wo ich nun in Blumen stund,
war damals wildzerwühlter Grund.
Der Sommermorgen glänzte schön
wie heute; glitzernd von den Höhn,
»den ganzen Tag mit Sack und Pack«,
brach nieder aus Verhau, Verhack
zum kühnsten Sturm, ein weißes Meer,
des Feindes wundervolles Heer.
Ich stützte, wie aus Erz gezeugt,
mich auf den Säbel, vorgebeugt,
mit weiten Augen, offnem Mund,
als starrt' ich in den Höllenschlund.
Nun sind sie da! »Schnellfeuer!« »Steht!«
Wie hoch im Rauch die Fahne weht!
Und Mann an Mann, hinauf, hinab,
und mancher sinkt in Graus und Grab.
Zu Boden stürz ich, einer sticht
und zerrt mich, ich erraff mich nicht,
und um mich, vor mir, unter mir
ein furchtbar Ringen, Gall und Gier.
Und über unserm wüsten Knaul
bäumt sich ein scheu gewordner Gaul.
Ich seh der Vorderhufe Blitz,
blutfestgetrockneten Sporenritz,
den Gurt, den angespritzten Kot,
der aufgeblähten Nüstern Rot.
Und zwischen uns mit Klang und Kling
platzt der Granate Eisenring:
Ein Drache brüllt, die Erde birst,
einfällt der Weltenhimmelfirst.
Es ächzt, es stöhnt, und Schutt und Staub
umhüllen Tod und Lorbeerlaub.

Ich stand an eines Gartens Rand
und schaute in ein herrlich Land,
das ausgebreitet vor mir liegt,
vom Friedensfächer eingewiegt.
Und Arm in Arm, es ist kein Traum,
mein Wirt und ich am Apfelbaum,
wir lauschen einer Nachtigall,
und Rosen, Rosen überall.

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