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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 75
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
created20150819
modified20170601
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Der Rosengarten

          Vom schönen Rosengarten
Will ich mit Sang euch melden;
Am Morgen lustwandelten Fraun,
Am Abend fochten die Helden.

»Mein Herr ist König im Land,
Ich herrsch' im Garten der Rosen;
Er hat sich die güldene Kron',
Ich den Blumenkranz mir erkosen.

»So hört, ihr junge Recken,
Ihr lieben drei Wächter mein!
Laßt alle zarten Jungfräulein,
Laßt keinen Ritter herein!

»Sie möchten die Rosen verderben;
Das brächte mir große Sorgen.«
So sprach die schöne Königin,
Als sie dannen ging am Morgen.

Da wandelten die drei Wächter
Gar treulich vor der Thür.
Die Röslein dufteten stille
Und blickten lieblich herfür.

Und kamen des Wegs mit Sitten
Drei zarte Jungfräulein:
»Ihr Wächter, liebe drei Wächter,
Laßt uns in den Garten ein!«

Als die Jungfraun Rosen gebrochen,
Da haben sie all' gesprochen:
»Was blutet mir so die Hand?
Hat mich das Röslein gestochen?«

Da wandelten die drei Wächter
Gar treulich vor der Thür.
Die Röslein dufteten stille
Und blickten lieblich herfür.

Und kamen des Wegs auf Rossen
Drei freche Rittersleut':
»Ihr Wächter, schnöde drei Wächter,
Sperret auf die Thüre weit!«

»Die Thüre, die bleibet zu,
Die Schwerter, die sind bloß;
Die Rosen, die sind teuer,
Eine Wund' gilt jegliche Ros'.«

Da stritten die Ritter und Wächter,
Die Ritter den Sieg erwarben,
Zertraten die Röslein all';
Mit den Rosen die Wächter starben.

Und als es war am Abend,
Frau Königin kam herbei:
»Und sind meine Rosen zertreten,
Erschlagen die Jünglinge treu,

»So will ich auf Rosenblätter
Sie legen in die Erden,
Und wo der Rosengarten war,
Soll der Liliengarten werden.

»Wer ist es, der die Lilien
Mir treulich nun bewacht?
Bei Tage die liebe Sonne,
Der Mond und die Sterne bei Nacht.«

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