Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Uhland >

Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 70
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
created20150819
modified20170601
sendergerd.bouillon@t-online.de und andere
Schließen

Navigation:

Der Pilger

          Es wallt ein Pilger hohen Dranges,
Er wallt zur sel'gen Gottesstadt,
Zur Stadt des himmlischen Gesanges,
Die ihm der Geist verheißen hat.

»Du klarer Strom, in deinem Spiegel
Wirst du die heil'ge bald umfahn;
Ihr sonnenhellen Felsenhügel,
Ihr schaut sie schon von weitem an.«

»Wie ferne Glocken hör' ich's klingen;
Das Abendrot durchblüht den Hain.
O hätt' ich Flügel, mich zu schwingen
Weit über Thal und Felsenreihn!«

Er ist von hoher Wonne trunken,
Er ist von süßen Schmerzen matt,
Und in die Blumen hingesunken,
Gedenkt er seiner Gottesstadt:

»Sie sind zu groß noch, diese Räume,
Für meiner Sehnsucht Flammenqual.
Empfahet ihr mich, milde Träume,
Und zeigt mir das ersehnte Thal!«

Da ist der Himmel aufgeschlagen,
Sein lichter Engel schaut herab:
»Wie sollt' ich dir die Kraft versagen,
Dem ich das hohe Sehnen gab!

»Die Sehnsucht und der Träume Weben,
Sie sind der weichen Seele süß;
Doch edler ist ein starkes Streben
Und macht den schönen Traum gewiß.«

Er schwindet in die Morgendüfte;
Der Pilger springt gestärkt empor,
Er strebet über Berg' und Klüfte,
Er stehet schon am goldnen Thor.

Und sieh! gleich Mutterarmen schließet
Die Stadt der Pforte Flügel auf,
Ihr himmlischer Gesang begrüßet
Den Sohn nach tapfrem Pilgerlauf.

 << Kapitel 69  Kapitel 71 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.