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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 214
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
created20150819
modified20170601
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Nachruf

                Noch ist kein Fürst so hochgefürstet,
So auserwählt kein ird'scher Mann,
Daß, wenn die Welt nach Freiheit dürstet,
Er sie mit Freiheit tränken kann,
Daß er allein in seinen Händen
Den Reichtum alles Rechtes hält,
Um an die Völker auszuspenden
So viel, so wenig ihm gefällt.

Die Gnade fließet aus vom Throne,
Das Recht ist ein gemeines Gut,
Es liegt in jedem Erdensohne,
Es quillt in uns wie Herzensblut;
Und wann sich Männer frei erheben
Und treulich schlagen Hand in Hand,
Dann tritt das innre Recht ins Leben
Und der Vertrag gibt ihm Bestand.

Vertrag! es ging auch hierzulande
Von ihm der Rechte Satzung aus,
Es knüpfen seine heil'gen Bande
Den Volksstamm an das Fürstenhaus.
Ob einer im Palast geboren,
In Fürstenwiege sei gewiegt,
Als Herrscher wird ihm erst geschworen,
Wenn der Vertrag besiegelt liegt.

Solch teure Wahrheit ward verfochten,
Und überwunden ist sie nicht.
Euch, Kämpfer, ist kein Kranz geflochten,
Wie der beglückte Sieg ihn flicht;
Nein! wie ein Fähnrich, wund und blutig,
Sein Banner rettet im Gefecht,
So blickt ihr, tief gekränkt, doch mutig
Und stolz auf das gewahrte Recht.

Kein Herold wird's den Völkern künden
Mit Pauken- und Trommetenschall,
Und dennoch wird es Wurzel gründen
In deutschen Gauen überall:
Daß Weisheit nicht das Recht begraben,
Noch Wohlfahrt es ersetzen mag,
Daß bei dem biedern Volk in Schwaben
Das Recht besteht und der Vertrag!

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