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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 207
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
created20150819
modified20170601
sendergerd.bouillon@t-online.de und andere
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Mickiewicz

      An der Weichsel fernem Strande
Tobt ein Kampf mit Donnerschall,
Weithin über deutsche Lande
Rollt er seinen Wiederhall.
Schwert und Sense, scharfen Klanges,
Dringen her zu unsern Ohren
Und der Ruf des Schlachtgesanges:
»Noch ist Polen nicht verloren.«

Und wir horchen, und wir lauschen,
Stille waltet um und um,
Nur die trägen Wellen rauschen,
Und das weite Feld ist stumm;
Nur wie Sterbender Gestöhne,
Lufthauch durch gebrochne Hallen,
Hört man dumpfe Trauertöne:
»Polen, Polen ist gefallen.«

Mitten in der stillen Feier
Wird ein Saitengriff gethan.
Ha, wie schwillet diese Leier
Voller stets und mächt'ger an!
Leben, schaffen solche Geister,
Dann wird Totes neu geboren;
Ja, mir bürgt des Liedes Meister:
Noch ist Polen nicht verloren.

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