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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 187
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
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König Karls Meerfahrt

          Der König Karl fuhr über Meer
Mit seinen zwölf Genossen,
Zum heil'gen Lande steuert' er
Und ward vom Sturm verstoßen.

Da sprach der kühne Held Roland:
»Ich kann wohl fechten und schirmen;
Doch hält mir diese Kunst nicht stand
Vor Wellen und vor Stürmen.«

Dann sprach Herr Holger aus Dänemark:
»Ich kann die Harfe schlagen;
Was hilft mir das, wenn also stark
Die Wind' und Wellen jagen?«

Herr Oliver war auch nicht froh;
Er sah auf seine Wehre:
»Es ist mir um mich selbst nicht so,
Wie um die Altekläre.«

Dann sprach der schlimme Ganelon
(Er sprach es nur verstohlen):
»Wär' ich mit guter Art davon,
Möcht' euch der Teufel holen!«

Erzbischof Turpin seufzte sehr:
»Wir sind die Gottesstreiter;
Komm, liebster Heiland, über das Meer
Und führ' uns gnädig weiter!«

Graf Richard Ohnefurcht hub an:
»Ihr Geister aus der Hölle,
Ich hab' euch manchen Dienst gethan;
Jetzt helft mir von der Stelle!«

Herr Naimes diesen Ausspruch that:
»Schon vielen riet ich heuer,
Doch süßes Wasser und guter Rat
Sind oft zu Schiffe teuer.«

Da sprach der graue Herr Riol:
»Ich bin ein alter Degen
Und möchte meinen Leichnam wohl
Dereinst ins Trockne legen.«

Es war Herr Gui, ein Ritter fein,
Der fing wohl an zu singen:
»Ich wollt', ich wär' ein Vögelein;
Wollt' mich zu Liebchen schwingen.«

Da sprach der edle Graf Garein:
»Gott helf' uns aus der Schwere!
Ich trink' viel lieber den roten Wein,
Als Wasser in dem Meere.«

Herr Lambert sprach, ein Jüngling frisch:
»Gott woll' uns nicht vergessen!
Äß' lieber selbst 'nen guten Fisch,
Statt daß mich Fische fressen.«

Da sprach Herr Gottfried lobesan:
»Ich lass' mir's halt gefallen;
Man richtet mir nicht anders an,
Als meinen Brüdern allen.«

Der König Karl am Steuer saß;
Der hat kein Wort gesprochen,
Er lenkt das Schiff mit festem Maß,
Bis sich der Sturm gebrochen.

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