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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 183
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
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Junker Rechberger

              Rechberger war ein Junker keck,
Der Kaufleut' und der Wanderer Schreck.
In einer Kirche, verlassen,
Da thät er die Nacht verpassen.

Und als es war nach Mitternacht,
Da hat er sich auf den Fang gemacht;
Ein Kaufzug, hat er vernommen,
Wird frühe vorüberkommen.

Sie waren geritten ein kleines Stück,
Da sprach er: »Reitknecht, reite zurück!
Die Handschuh' hab' ich vergessen
Auf der Bahre, da ich gesessen.«

Der Reitknecht kam zurück so bleich:
»Die Handschuh' hole der Teufel Euch!
Es sitzt ein Geist auf der Bahre;
Es starren mir noch die Haare.

»Er hat die Handschuh' angethan
Und schaut sie mit feurigen Augen an,
Er streicht sie wohl auf und nieder;
Es beben mir noch die Glieder.«

Da ritt der Junker zurück im Flug;
Er mit dem Geiste sich tapfer schlug,
Er hat den Geist bezwungen,
Seine Handschuh' wieder errungen.

Da sprach der Geist mit wilder Gier:
»Und läßt du sie nicht zu eigen mir,
So leihe mir aus ein Jährlein
Das schmucke, schmeidige Pärlein!«

»Ein Jährlein ich sie dir gerne leih',
So kann ich erproben des Teufels Treu';
Sie werden wohl nicht zerplatzen
An deinen dürren Tatzen.«

Rechberger sprengte von dannen stolz;
Er streifte mit seinem Knecht im Holz.
Der Hahn hat ferne gerufen,
Da hören sie Pferdehufen.

Dem Junker hoch das Herze schlug;
Des Weges kam ein schwarzer Zug
Vermummter Rittersleute
(Der Junker wich auf die Seite),

Und hinten trabt noch einer daher,
Ein ledig Räpplein führet er,
Mit Sattel und Zeug staffieret,
Mit schwarzer Decke gezieret.

Rechberger ritt heran und frug:
»Sag' an! wer sind die Herren vom Zug?
Sag' an, traut lieber Knappe!
Wem gehört der ledige Rappe?«

»Dem treuesten Diener meines Herrn,
Rechberger nennt man ihn nah und fern.
Ein Jährlein, so ist er erschlagen,
Dann wird das Räpplein ihn tragen.«

Der Schwarze ritt den andern nach.
Der Junker zu seinem Knechte sprach:
»Weh mir! vom Roß ich steige,
Es geht mit mir zur Neige.

»Ist dir mein Rößlein nicht zu wild
Und nicht zu schwer mein Degen und Schild,
Nimm's hin dir zum Gewinste
Und brauch' es in Gottes Dienste!«

Rechberger in ein Kloster ging:
»Herr Abt, ich bin zum Mönche zu ring;
Doch möcht' ich in tiefer Reue
Dem Kloster dienen als Laie.«

»Du bist gewesen ein Rittersmann,
Ich seh' es dir an den Sporen an;
So magst du der Pferde walten,
Die im Klosterstalle wir halten.«

Am Tag, da selbiges Jahr sich schloß,
Da kaufte der Abt ein schwarz wild Roß;
Rechberger sollt' es zäumen,
Doch es thät sich stellen und bäumen;

Es schlug den Junker mitten aufs Herz,
Daß er sank in bitterem Todesschmerz.
Es ist im Walde verschwunden,
Man hat's nicht wieder gefunden.

Um Mitternacht, an Junkers Grab,
Da stieg ein schwarzer Reitknecht ab,
Einem Rappen hält er die Stangen;
Reithandschuh' am Sattel hangen.

Rechberger stieg aus dem Grab herauf,
Er nahm die Handschuh' vom Sattelknauf,
Er schwang sich in Sattels Mitte;
Der Grabstein diente zum Tritte.

Dies Lied ist Junkern zur Lehr' gemacht,
Daß sie geben auf ihre Handschuh' acht,
Und daß sie fein bleiben lassen,
In der Nacht am Wege zu passen.

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