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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 155
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
created20150819
modified20170601
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Gesang der Nonnen

            Erhebet euch mit heil'gem Triebe,
Ihr frommen Schwestern, himmelan
Und schwebt auf blühnder Wolkenbahn!
Da leuchtet uns die reinste Sonne,
Da singen wir in Frühlingswonne
Ein Lied von dir, du ew'ge Liebe!

Ob welken alle zarten Blüten
Von dem Genuß der ird'schen Glut,
Du bist ein ewig Jugendblut
Und unsrer Busen stete Fülle,
Die ew'ge Flamme, die wir stille
Am Altar und im Herzen hüten.

Du stiegest nieder, ew'ge Güte,
Du lagst, ein lächelnd Himmelskind,
Im Arm der Jungfrau süß und lind;
Sie durft' aus deinen hellen Augen
Den Glanz der Himmel in sich saugen,
Bis sie die Glorie umglühte.

Du hast mit göttlichem Erbarmen
Am Kreuz die Arme ausgespannt;
Da ruft der Sturm, da dröhnt das Land:
»Kommt her, kommt her von allen Orten!
Ihr Tote, sprengt des Grabes Pforten!
Er nimmt euch auf mit offnen Armen.«

O Wunderlieb', o Liebeswonne!
Ist diese Zeit ein Schlummer mir,
So träum' ich sehnlich nur von dir;
Und ein Erwachen wird es geben,
Da werd' ich ganz in dich verschweben,
Ein Glutstrahl in die große Sonne.

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