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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 137
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
created20150819
modified20170601
sendergerd.bouillon@t-online.de und andere
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Ein Abend

        Als wäre nichts geschehen, wird es stille,
Die Glocken hallen aus, die Lieder enden,
Und leichter ward mir in der Thränen Fülle,
Seit sie versenket war von frommen Händen.
Als noch im Hause lag die bleiche Hülle,
Da wußt' ich nicht, wohin nach ihr mich wenden;
Sie schien mir, heimatlos, mit Klaggebärde
Zu schweben zwischen Himmel hin und Erde.

Die Abendsonne strahlt', ich saß im Kühlen
Und blickte tief ins lichte Grün der Matten;
Mir dünkte bald, zwei Kinder säh' ich spielen.
So blühend, wie einst wir geblühet hatten.
Da sank die Sonne, graue Schleier fielen,
Die Bilder fliehn, die Erde liegt im Schatten;
Ich blick' empor, und hoch in Äthers Auen
Ist Abendrot und all mein Glück zu schauen.

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