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Gedichte

Ludwig Uhland: Gedichte - Kapitel 136
Quellenangabe
typepoem
authorLudwig Uhland
publisherVerlag Projekt Gutenberg-DE
titleGedichte
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Drei Fräulein

1.
            Drei Fräulein sahn vom Schlosse
Hinab ins tiefe Thal;
Ihr Vater kam zu Rosse,
Er trug ein Kleid von Stahl.
»Willkomm, Herr Vater, gottwillkomm!
Was bringst du deinen Kindern?
Wir waren alle fromm.«

»Mein Kind im gelben Kleide,
Heut hab' ich dein gedacht.
Der Schmuck ist deine Freude,
Dein Liebstes ist die Pracht;
Von rotem Gold die Kette hier
Nahm ich dem stolzen Ritter,
Gab ihm den Tod dafür.«

Das Fräulein schnell die Kette
Um ihren Nacken band;
Sie ging hinab zur Stätte,
Da sie den Toten fand:
»Du liegst am Wege wie ein Dieb
Und bist ein edler Ritter
Und bist mein feines Lieb.«

Sie trug ihn auf den Armen
Zum Gotteshaus hinab,
Sie legt' ihn mit Erbarmen
In seiner Väter Grab.
Die Kett', die ihr am Halse schien,
Die zog sie fest zusammen
Und sank zum Lieb dahin.

 
2.
Zwei Fräulein sahn vom Schlosse
Hinab ins tiefe Thal;
Ihr Vater kam zu Rosse,
Er trug ein Kleid von Stahl.
»Willkomm, Herr Vater, gottwillkomm!
Was bringst du deinen Kinder?
Wir waren beide fromm.«

Mein Kind im grünen Kleide,
Heut hab' ich dein gedacht.
Die Jagd ist deine Freude
Bei Tag und auch bei Nacht;
Den Spieß an goldnem Bande hier
Nahm ich dem wilden Jäger,
Gab ihm den Tod dafür.«

Sie nahm den Spieß zu Händen,
Den ihr der Vater bot,
Thät in den Wald sich wenden,
Ihr Jagdruf war der Tod.
Dort in der Linde Schatten traf
Sie bei den treuen Bracken
Ihr Lieb im tiefen Schlaf:

»Ich komme zu der Linde,
Wie ich dem Lieb verhieß.«
Da stieß sie gar geschwinde
In ihre Brust den Spieß.
Sie ruhten bei einander kühl,
Waldvöglein sangen oben,
Grün Laub herunterfiel.

 
3.
Ein Fräulein sah vom Schlosse
Hinab ins tiefe Thal;
Ihr Vater kam zu Rosse,
Er trug ein Kleid von Stahl.
»Willkomm, Herr Vater, gottwillkomm!
Was bringst du deinem Kinde?
Ich war wohl still und fromm.«

»Mein Kind im weißen Kleide,
Heut hab' ich dein gedacht.
Die Blumen sind dein' Freude,
Mehr als des Goldes Pracht;
Das Blümlein, klar wie Silber, hier
Nahm ich dem kühnen Gärtner,
Gab ihm den Tod dafür.«

»Wie war er so verwegen?
Warum erschlugst du ihn?
Er thät der Blümlein pflegen,
Die werden nun verblühn.«
»Er hat mir wunderkühn versagt
Die schönste Blum' im Garten;
Die spart' er seiner Magd.«

Das Blümlein lag der Zarten
An ihrer weichen Brust.
Sie ging in einen Garten,
Der war wohl ihre Lust.
Da schwoll ein frischer Hügel auf,
Dort bei den weißen Lilien;
Sie setzte sich darauf:

»O könnt' ich thun zur Stunde
Den lieben Schwestern gleich!
Doch 's Blümlein giebt kein' Wunde,
Es ist so zart und weich.«
Aufs Blümlein sah sie bleich und krank,
Bis daß ihr Blümlein welkte,
Bis daß sie niedersank.

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