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Gedichte

Eugenie Marlitt: Gedichte - Kapitel 18
Quellenangabe
typepoem
authorEugenie Marlitt
year1994
publisherHain Verlag
addressRudolstadt - Jena
isbn3-930215-03-9
titleGedichte
created20170516
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Erfahrung.

        Es rauscht der junge Bach mit kühnem Mut.
Die grünen Halme, die am Rand sich neigen,
Den Rosenstrauch mit blütenschweren Zweigen
Zieht er hinab in seine klare Flut.

Packt jauchzend Bäum' und Blumen überall,
Er will den ganzen Frühling in sich fassen
Und ahnet nicht daß tück'sche Felsenmassen
Mit kaltem Hohn bereiten seinen Fall.

Ein Sturz! Ein Wehschrei, daß es weithin gellt
Und die Natur in bangem Schreck erzittert...
Sein glänzend Silber tausendfach zersplittert,
Die Blüten unten am Gestein zerschellt!

Er ist aus seinem süßen Traum erwacht.
Millionen Stäubchen sinken taumelnd nieder,
Er faßt in seinen Arm sie trauernd wieder
Und flüchtet todeswund zur Waldesnacht.

Dort über Felsenblöcke, unbewehrt
Rauscht er nun achtlos hin zum Waldesdüster.
O, lausch nur seinem schmerzlichen Geflüster,
Er sagt dir, was »Erfahrung« ihn gelehrt!

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