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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 88
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Vor dem Dom zu Köln.

Seh' ich immer noch erhoben
Auf dem Dach den alten Kran,
Scheint mir nur das Werk verschoben,
Bis die rechten Künstler nahn.

Denn ein Sabbat hat begonnen,
Osterabend hehr und still,
Gleich dem Mond der Frühlingswonnen,
Wenn ans Licht die Knospe will.

Hört ihr wohl die Glocken läuten?
Also nah ist Gottes Reich  
Feiertag soll das bedeuten,
Betet und bereitet euch!

Salbet euch mit Öl der Stärke,
Nur auf eines habet acht,
Montag naht, ein Tag der Werke
Und ein Tag der Meisterschlacht.

Kommt, ihr Meister und Gesellen,
Zu dem Tale Josaphat,
Daß wir Säulen haun und Schwellen
Für die neue Bundesstadt.

Auf dem alten Grund erheben,
Neu geweiht von frommer Hand,
Sollt ihr euch zum jungen Leben,
Burgen, Kirch' und Vaterland!

Jeder opfert seine Gabe,
Priester singen in dem Chor,
Und der Bischof mit dem Stabe
Klopfet dreimal an das Tor.

Harret nur noch wenig Stunden,
Wachet, betet und vertraut,
Denn der Jüngling ist gefunden,
Der den Tempel wieder baut.

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