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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 7
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Friedland.

Romanze.

O Friedland, wohl mit Vorbedacht
Gab man den Namen dir!
Sie stritten hier in heißer Schlacht
Und fanden Frieden hier.
Nach Frieden schlug manch edles Herz,
Das unterm Rasen liegt,
Und nun sind Sehnsucht, Lust und Schmerz
Auf ewig eingewiegt.

Ha Blitz und Blut, wie rosenrot!
Musik, wie voll, wie tief!
Die Helden folgen dem Gebot,
Das sie zu Grabe rief.
Doch fern im schönen Languedoc
Vernahm ein armes Kind
Die Mär, die allen Freude log,
Und ihre Zähre rinnt.

Und als allein um Mitternacht
Sie sich gesegnet hat,
Erscheint ein Geist in blut'ger Tracht
An ihrer Lagerstatt.
»Bei Friedland fiel ich, trautes Herz:
Doch fand ich noch nicht Ruh'!
O komm und lindre Leichenschmerz,
Deck' mich mit Erde zu!«

Das Mägdlein sprach: »Mein Bräutigam,
Harr' eine kleine Zeit!«
Und als empor der Morgen kam,
War sie schon wegbereit.
Sie wallt von früh bis in die Nacht,
Das Herz zeigt ihr den Pfad,
Und ach, in jeder Mitternacht
Der Bräut'gam ihr sich naht.

»Komm, süßes Herz, der Liebste ruft,
Komm, dein Verlobter winkt;
Bereit' ihm weich und fein die Gruft!«
Er spricht es und versinkt.
Die Herbstnacht webet still und mild,
Der Vollmond scheint so traut:
Erreicht hat nun das Schlachtgefild
Die fromme Heldenbraut.

Sie wählt ein dunkles Nußgesträuch
Zur kurzen Rast sich aus.
Der Rasen dünkt ihr flaumenweich.
Der Busch ein Hochzeitshaus.
Doch als der falbe Mond erblich
Und Morgenrot entbrennt,
Sieht sie den Leichnam neben sich,
Den schnell ihr Herz erkennt.

Vernichtet ist des Schönsten Reiz
Von Moder und von Blut,
Allein am Herzen ruht ein Kreuz  
An ihrem hat's geruht.
»Verwesung,« ruft sie sehnsuchtvoll,
»Nimm und entkleid' auch mich,
Du, dessen Ruf allmächtig scholl,
Die Treue harrt auf dich.«

Mit Lilienhänden, zart und fein,
Gräbt sie des Liebsten Grab
Und singt die Seelenlitanein
Und senket ihn hinab,
Streut Erde dreimal auf ihn hin,
Deckt ihn mit Blättern zu
Und legt, im frommen Liebessinn,
Sich neben ihn zur Ruh'.

Die Hirten fanden drauf das Paar,
Verschlungen und vereint:
Wer jemals treu der Liebe war,
Schlägt an die Brust und weint.
O Friedland, wohl war's vorbedacht.
Was dir den Namen gab!
Unsterblich bist du durch die Schlacht:
Doch heilig durch dies Grab.

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