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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 69
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Adventslied.

Komm nieder aus der Jungfrau Schoß,
O Kind, aus Himmelsauen!
Es sehnt sich alles, klein und groß,
Ins Antlitz dir zu schauen.
Und alles will genesen
An deinem Wunderwesen.

Wie damals in der Römerzeit
Die Menschheit lag gebunden,
Des Paradieses Herrlichkeit
Von hinnen war geschwunden.
Als du, sie zu entsühnen,
Auf Erden warst erschienen;

So liegt sie nun gebeugt, gedrückt,
In namenlosen Wehen,
Dein Licht, o Herr, ist ihr entrückt,
Ihr Licht scheint auszugehen.
Wollst wieder sie erlösen
Von der Gewalt des Bösen!

Dich rufen Lied und Klageton,
Dir winkt ein Meer von Tränen,
Und leise Seufzer, kaum entflohn
Bescheidnem bangem Sehnen,
Zum Retten, zum Befreien,
Das Alte zu erneuen.

O Menschensohn voll Lieb' und Macht,
O höchstes ew'ges Leben,
Hast oft schon Funken angefacht
Und Sterbekraft gegeben!
O Himmelsgast, steig wieder
Zum Tränentale nieder!

Wir haben oft auf unsrer Bahn
Wie Simeon gebetet;
Wir blicken alle himmelan,
Ob sich der Osten rötet;
Komm denn im alten Liede:
Auf Erden Freud' und Friede!

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