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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 65
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Unserm geliebten Kronprinzen.

Nun laß dein Schifflein gleiten
Hinab den lieben Fluß,
Im hellen Klang der Saiten
Vernimm den Scheidegruß.
Die Segel sollen schwellen
Vom kühlen Morgenwind,
O traget sanft, ihr Wellen,
Das frohe Heldenkind!

Wollt ihr das Schweigen brechen  
Es klingt so wunderbar  
Ihr Burgen, wollt ihr sprechen?
Ihr schweigt wohl manches Jahr.
So sprecht von alten Dingen,
Von alter Herrlichkeit,
Die Namen laßt erklingen
Der fernen goldnen Zeit.

Ihr Völker, kommt in Scharen,
Dringt an sein Schiff heran
Und seht den Jüngling fahren
Und schaut ihn liebend an.
Laßt eure Lieder hören
Nach froher Landesart;
Bringt ihm den Wein der Ehren,
Ihr Jungfraun keusch und zart.

Wer diesen Wein getrunken,
Ist unser fort und fort!
Im Rheine liegt versunken
Ein reicher alter Hort,
Das ist ein Schatz der Treue
Für freien Volkesmut,
Die immer noch aufs neue
Die Liebeswunder tut.

Du hast den Hort gewonnen
In deiner Freundlichkeit!
Zeuch hin im Glanz der Sonnen
Durchs Leben so wie heut.
Des Efeus Ranken drücken
Sich an die Felsenwand,
Und unsre Wünsche blicken
Dir nach in fernes Land.

O schau' den Rosenschimmer,
Der auf den Bergen glüht,
Und um die hehren Trümmer
Gesunkner Schlösser zieht!
Der Krummstab war verschwunden,
Des alten Segens Pfand,
Nun blüht er, aufgefunden,
In milder Fürstenhand.

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