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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 64
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Auf den Tod der Kaiserin Maria Ludovika Beatrix.

1. Der Kaiserin Reise.

Weht mich an, ihr Frühlingswinde,
Meiner Heimat milde Luft,
Bring' mir spielend, bring' mir linde
Wunderbaren Blütenduft!
Öffne mir, du Starke, Schöne,
Mailand, nun dein gastlich Tor,
Klingt, ihr süßen Liebestöne,
Wieder in mein trunknes Ohr.

Ist es nicht das Land der Wonnen,
Meiner Kindheit Blumenau,
Meines Lebens Morgensonnen,
Die ich endlich wiederschau'?
Rückwärts doch mit starken Banden
Zieht mich ein geheimes Wort,
Nach den frommen deutschen Landen
Zieht mich's fern und nördlich fort.

Bittre Qual dort hat mein Leben
Wie das Vaterland verklärt;
Einen Phönix sah ich schweben
Aus den Flammen unversehrt.
Hier in Ottos alter Krone
Hab' ich den Gemahl gesehn;
Ach, von einem andern Throne
Müssen leer die Stufen stehn!

Rückwärts dann mit frischen Sinnen
In das heil'ge Deutsche Reich,
Zu dem würdigsten Beginnen,
Herz, mein Herz, sei stark und weich!
Daß die Kräfte nicht veralten,
Gottes Frist sich nicht versäumt,
Daß die Träume sich gestalten,
Die manch frommes Haupt geträumt!

Hab' ich dennoch mißverstanden
Das geheime Zauberwort?
Nimmer nach den deutschen Landen,
Weiter, dunkler führt mich's fort.
Stärket mich mit Brot und Öle,
Mit dem Todessakrament;
Gott, mein Schöpfer! ich befehle
Meinen Geist in deine Händ'.

Fahret wohl, ihr Erdenträume,
Du, mein Kaiser und Gemahl!
Öffnet euch, ihr Himmelsräume,
Leuchte, leuchte, sel'ger Strahl!
Auf, hinauf mit starken Schritten
In den hellen ew'gen Tag,
Daß ich dort für Deutschland bitten
Und auf Deutschland schauen mag!

2. Klage.

Ihr Lieben, helft mir klagen
Um unsres Reiches Zier!
Vom argen Tod erschlagen
Liegt unsre Herrin hier.
O Mailand voll Zypressen,
Du trübe Maienzeit,
Verona   nie vergessen
Wird solches Weh und Leid.

Ihr hattet sie gesendet,
Nun habt ihr sie geraubt,
Das Kleinod uns entwendet,
Den schönen Baum entlaubt.
Du hoher Stamm von Este,
Wie traurig stehst du nun
Und senkest deine Äste,
Wie Tränenweiden tun.

Du schienest jüngst zu prangen
In deiner höchsten Zier,
Es blickte voll Verlangen
Der Kaiser Franz nach dir.
Wie nach den Lorbeerzweigen
Dein Tasso kühn geschaut:
Wir sahen fromm sich neigen
Die kaiserliche Braut.

Italia, magst du meinen,
O Land, so lusterfüllt,
Es käm' aus deinen Hainen
Das gnadenreiche Bild?
Wir haben sie erzogen
So fromm, so stark und weich.
Wir an der Donau Wogen,
Wir in dem Deutschen Reich.

Die deutschen Klänge drangen
Allmächtig an ihr Herz,
Die deutschen Lieder sangen
Ihr eigen Lust und Schmerz.
Da kam sie, zu verklären
Das Martertum der Zeit,
Und ew'gen Kranz der Ehren
Wand ihr das bittre Leid.

O Lied, du sollst nicht melden
Entschwundner Leiden Zahl,
Den ew'gen Schmerz der Helden,
Der Fraun und Jungfraun Qual.
Ihr Böheims Wunderquellen,
Du gottgeweihte Flut,
Saht ihre Tränen schwellen,
Ihr saht auch ihren Mut.

Ein leuchtend Himmelszeichen,
So schwebte sie uns vor,
Hob aus des Staubes Reichen
Ihr nach uns all empor.
Der Sünder floh verlegen
Vor ihrem reinen Blick
Und wich von ihren Wegen
Mit Scham und Grimm zurück.

Und sollen wir dich missen,
Du glänzendes Panier?
Bist ewig uns entrissen,
Der Frauen Stolz und Zier?
Wer soll die Kämpfer leiten?
Sind Frauen doch ihr Stern!
Wer wandelt nun zur Seiten
Dem höchsten deutschen Herrn?

Du wirst uns nicht versäumen,
O treues Mutterherz!
Dort unter Lebensbäumen
Stirbt jeder ird'sche Schmerz.
Die Lust am kühnen Werke
Folgt dir ins ew'ge Haus,
Nun schütte Lieb' und Stärke
Auf deine Völker aus.

3. Unsre Frauen.

Vieles hat die Zeit vernichtet
In dem starken Riesengang,
Vieles hat sich selbst gerichtet,
Als der Donner Gottes klang;
Vieles ist in Staub zerstoben,
Trüber Nächte Wahn entschwand,
Eines hat sich rein erhoben
Aus dem allgemeinen Brand.
Einen Altar auserlesen,
Einen Tempel sel'ger Lust,
Hatte sich das deutsche Wesen
Längst in keuscher Frauenbrust.

In des Heidentumes Nächten
Tat sich schon durch Frauenmund
Kühnes Wort von ew'gen Rechten
Und von ew'ger Schönheit kund.
Frauen frei und ohne Makel
Schlossen stets den Schlachtenreihn,
Frauen sprachen das Orakel
In dem alten Eichenhain.
Aus den Eichen wurden Säulen
Für das deutsche Gotteshaus,
Drin, der Völker Weh zu heilen,
Goß ein Gnadenbrunn sich aus.

Reich erfüllt war nun das Hoffen,
Schnell gestillt ein heißes Flehn,
Und man sah den Himmel offen,
Sah die Mutter Gottes stehn.
Feinde wurden Bundsgenossen,
Ritter dienten fromm und mild,
Über Schwertern und Geschossen
Waltete ein Friedensbild.
Friedensbild, dein Zeichen tragen
Unsre Frauen heute noch,
Wie in heil'ger Vorzeit Tagen
Lösen sie das schwerste Joch.

Als die schlechte Zeit gekommen
Und die welsche Raserei,
Blieben unsre Klaren, Frommen
Von dem bösen Taumel frei.
Männernacken war gebogen,
Stolzgewappnet Frauenbrust,
Und die deutschen Knaben sogen
Feindeshaß und Freiheitslust.
Neiget euch den frömmsten Werken,
Euch dem schönen Liebestod,
Seht sie wunde Krieger stärken
Mit dem Wort, mit Wein und Brot.

Zwei vor allen, zwei vor allen
Sind es, die der Sänger nennt,
Die, zwei sel'ge Geister, wallen
Beide jetzt am Firmament.
Eine hat im Sturmestoben
Längst ihr schönes Haupt gesenkt,
Hat, ein Gnadenbild, von oben
Ihrer Völker Zug gelenkt.
Doch die Reine, Hohe, Zweite
Stand im heißen Männerstreit,
Freiheitskampf und Siegsgeläute
Hat ihr kühnes Herz erfreut.

Glorreich ist auch sie erhoben
In das ew'ge Friedensland,
Nun von beiden Fraun gewoben
Wird ein wunderbares Band.
Die ihr noch zu ihren Füßen
Wandelt in dem Deutschen Reich,
Schaut, wie sie sich droben grüßen,
Völker, und umarmet euch.
Franz und Wilhelm, Völkerhirten,
Fragt ihr, was das Schicksal meint?
Eure Lorbeern, eure Myrten,
Eure Palmen blühn vereint!  

4. Grabgesang.

Töne milder, töne leise,
Tiefer Schmerz und Klagelaut!
Denn von ihrer Erdenreise
Rastet eine Gottesbraut.

Grüßet sie mit Friedenstänzen,
Engel, bringt ein weißes Kleid,
Bringet Palmen, sie zu kränzen,
Weil sie kommt aus hartem Streit.

Siegerin, genug gestritten
Hast du mit der bösen Macht,
Dulderin, genug gelitten
In der dunkeln Erdennacht.

Herz, du magst nun ruhn und rasten
In dem stillen Gotteshaus,
Von den Wunden, von den Lasten,
Heldenherz, nun ruhe aus.

Wo die Palmen, wo die Kreuze,
Tod und Lebensbilder, stehn,
Soll der Traum von ird'schem Reize
Und von ird'scher Macht vergehn.

Aus dem Leid zur ew'gen Wonne
Lenken Engel deinen Schritt,
Aus der Nacht zur hellen Sonne,
Selbst ein Engel, walle mit.

Milder töne, tief und leise,
Völkerschmerz und Klagelaut,
Denn von ihrer Erdenreise
Ruht hier eine Gottesbraut.

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