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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 60
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Seiner Freundin.

Als wir zum Schlagen rückten
Und nun die Stadt erblickten,
Bei der man künftig schwört,
Da dachten wir im Herzen
Auch an den zweiten Mai,
Und deine Witwenschmerzen
Erwachten in uns neu.

Wir sahen Wolken schwimmen,
Wir hörten Geisterstimmen
Vom nahen Lützen her.
Die Donner Gottes klangen
In Ost, Süd, Nord und West,
Da haben wir begangen
Der Brüder Leichenfest.

In jenen hehren Tagen
Hat mich, gleich milden Sagen,
Dein liebes Bild umschwebt.
Ich sah dein Antlitz scheinen,
Ein leuchtendes Panier,
Vernahm dein stilles Weinen
Um jenes Schlachtrevier.

Ich muß dich immer denken,
Muß immer mich versenken
In diesen Zaubersee.
Ich kann dich nicht verlieren,
Du Bild aus holder Zeit,
Und Myrten seh' ich zieren
Auch noch dein Witwenkleid.

So muß es sich begeben,
In diesem Erdenleben
Blüht Schönheit aus der Qual.
So hat es Gott erkoren,
Der ewig treue Hirt,
Daß nur im Weh geboren
Ein Himmelsbürger wird.

In Schauern sich gestalten
In Schmerzen sich entfalten
Muß jedes Lebens Keim.
So wurden in den Tagen
Der ersten Christenheit
Durch Buße, Schmerz und Plagen
Die Märtyrer geweiht.

Und was wir jetzt erstehen
Aus tiefer Gruft gesehen
Im frischen Jugendglanz  
Es war mit Schmach beladen
Das werte Vaterland,
Da winkte Gott in Gnaden
Und wählte unsre Hand.

Ein Wunder war's zu sehen,
Wie er im Sturmeswehen
Durch unsre Länder fuhr
Und alle Herzen brannten,
Den ersten Pfingsten gleich,
Nicht Rast noch Ruhe kannten,
Zu streiten für sein Reich.

Auch du hast ihm gegeben
Dein süßes Blütenleben
In stiller Opferung;
Auch deinen Namen melden
Soll man zu Gottes Ehr',
Von allen seinen Helden
Gab keiner ihm wohl mehr.

Wie freundlich ist sein Wille,
Des Trostes hat er Fülle
Für jede Menschenbrust,
Und was er hier muß nehmen,
Er bringt es reichlich ein,
Drum soll der Christen Grämen
Noch stets voll Freude sein.

Die weiße Himmelsrose,
Die Mutter, der im Schoße
Erblaßt der Heiland lag,
Maria schaut mit Lächeln
Auf dich und Wilhelms Kind,
Und ihre Engel fächeln
Dir Tröstung kühl und lind.

Blick' aus, du Vielbetrübte,
Sei fröhlich, Gottgeliebte,
Wie strahlt dein Liebesstern!
Mit Helm und Schwert und Lanze
Sieh dort auf Gottes Höhn
Im Überwinderkranze
Bei Sankt Georg ihn stehn.

Und bis der Tag gekommen,
Wo die getrennten Frommen
Und aller Toten Schar
Laut ladet in die Schranken
Der Engel Feldgeschrei,
Laß loben uns und danken,
Das Vaterland ist frei.

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