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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 55
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Der Stuhl Karls des Großen.

Frei geworden ist der Strom,
Ist das Land am deutschen Rheine,
Doch der Stuhl von Felsgesteine
Trauert noch im Aachner Dom.

Drauf des größten Kaisers Macht
Saß als eine stumme, bleiche,
Würmern hingegebne Leiche,
In der goldnen Kronen Pracht.

Welchen Otto kühn erhob,
Starker Hoffnung Grabesblüte,
Gar nicht ahnend im Gemüte,
Was die dunkle Zukunft wob.

Steht er wohl noch lange leer?
Will sich drauf kein Kaiser setzen
Allen Völkern zum Ergötzen,
Der Bedrängten Schirm und Wehr?

Ach, die Sehnsucht wird so laut!
Wollt ihr keinen Kaiser küren?
Kommt kein Ritter, heimzuführen
Deutschland, die verlaßne Braut?

Komm vom Himmel uns herab,
Den wir alle froh begrüßen,
Dem wir sinken zu den Füßen,
Steig empor aus tiefem Grab!

Einen hat sich Gott ersehn,
Dem das Erbteil zugefallen,
Der ein Stern wird sein vor allen,
Und was Gott will, mag geschehn!

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