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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 51
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Die deutschen Städte.

Es war ein Band gewoben
Im heil'gen deutschen Land,
Das fest und wohl den Proben
Des Teufels widerstand.
Noch schreiten die Gestalten
Der Weber durch die Flur,
Die sprechen: ewig halten
Soll unsre heil'ge Schnur.

Es ward ein Bau erhoben,
Der Freiheit Hof und Saal;
Den Meister soll man loben,
Der solches Werk befahl,
Die Pfeiler sind gegründet
Auf Treu' und Ständigkeit,
Der Mörtel, der sie bindet,
Ist Lieb' und Einigkeit.

Die Feinde überzogen
Das junge Kaisertum,
Da brach am Heidenbogen
Der Väter Waffenruhm.
Wer wird das Reich erretten?
Wer nimmt der Freiheit Wehr?
Sie bringen uns die Ketten
Auf offner Straßen her.

O Heinrich, deutscher Kaiser,
Nimm ew'gen Ruhmes Schein;
Du führst in feste Häuser
Die freien Bürger ein.
Der an dem Vogelherde
Die heil'ge Krone fand,
Hat von der heil'gen Erde
Den schlechten Feind gebannt.

Bei Goslar steht ein Zeichen,
Ein altes festes Schloß,
Wo nimmermehr zu weichen
Der kranke Herr beschloß.
Weit scholl der Heiden Klage,
O Merseburg, bei dir,
Und noch erzählt die Sage
Von Magdeburgs Turnier.

Vom Felde zog der Neunte,
Das gab ein' starke Schar,
Und was der Kaiser meinte,
Ward herrlich offenbar.
Von tausend Herden ziehen
Sah man des Gastmahls Rauch,
Wenn Wald und Äcker blühen,
Die Städte blühen auch.

So wurde klug errichtet
Der Freiheit Damm und Wehr,
Gar manchen Streit geschlichtet
Hat kleines Bürgerheer.
Der mag auch Schwerter schwingen,
Wer kühn das Werkzeug führt,
Und Ritterschlösser zwingen,
Die seine Kunst verziert.

Noch immer mag die Kunde
Der Bürger Herz erfreun,
Vom alten Schwabenbunde,
Vom Städtebund am Rhein.
Von Schlachten ohne Tadel
Spricht mancher alte Reim,
Und herrlich blüht der Adel
Von Waldpot Bassenheim.

Doch welcher soll vor allen
Das höchste Lob geschehn?
Laß deine Fahnen wallen,
Laß deine Flaggen wehn,
O Hansa, hoch zu preisen
Von Männern im Gesang,
Die in den fernen Kreisen
Um Ruhm und Beute rang.

Den Weg hast du bereitet
Dem höchsten Christengott,
Hast deutsche Art verbreitet
Bis Riga, Novogrod.
Aus mildem Bürgerstande,
Aus stillem Bürgerfleiß
Erblüht im Heil'gen Lande
Der Ritterorden Preis.

Was gleich verklungnen Sagen
Aus grauer Vorzeit scholl,
Hat man in diesen Tagen
Gesehen staunensvoll.
Der Feind betrat die Schwellen,
Da zogen Schiffer aus
Und wohnten auf den Wellen
Im leichten freien Haus.

Ein Hansastaat im Meere,
Ein Hansastaat im Feld,
Der als Tyrannenwehre
Sich kühn entgegenstellt.
Laß Flammen dich verzehren,
O Hamburg, reich und schön,
Man wird in jungen Ehren
Dich, Phönix, wiedersehn.

Auch dir, mein freies Bremen,
Sei Gruß und Ruhm und Heil!
Du darfst mit Ehren nehmen
Von diesem Sieg dein Teil,
Es hat in dir geschworen
Die feine Jungfrauschar:
»Dem sei die Braut verloren,
Wer nicht im Felde war.«

Blüht auf, ihr starken Dreie
Am deutschen Meeresstrand,
Ein Reich der Zucht und Treue,
Ein Schmuck vom deutschen Land.
Wer also treu gehalten
Am Vaterland und Eid,
Soll ferner auch verwalten
Der Heimat Herrlichkeit.

Mein Aachen, wo die Krone
Des Rittertums geruht,
Bald auf granitnem Throne,
Bald an der warmen Flut;
Berühmt seit grauen Zeiten,
Ehrwürd'ge Trier du,
Erwacht am Klang der Saiten
Aus eurer langen Ruh'!

Du Tor der deutschen Lande,
O Bundesfeste Mainz!
Du frommes Köln am Strande
Des lieben alten Rheins;
Ein hohes Amt laß halten
In deinem heil'gen Dom,
Damit sie wohl verwalten
Die Wacht am deutschen Strom.

Von Waffen hör' ich's schallen,
O Krönungsstadt, in dir!
Viel Kaufherrn seh' ich wallen
In reicher Rüstung Zier.
Bewehre nur, mein Rühle,
Die Bürger männiglich;
Dann setzen auf die Stühle
Schultheiß und Schöppen sich.

O Waffenstahl, sprüh' Funken,
Sprüh' Funken, edler Stein!
Vom Wein der Freiheit trunken
Laß jeden Bürger sein.
Der Formen tote Satzung
Lebt auf am kühnen Wort,
Man geht von eigner Schatzung
Zu bessern Rechten fort.

Laßt jedem Bürger geben
Den Raum zu Wort und Tat,
Und strömen wird das Leben
Vom Bürger in den Rat.
Das Zeichen von dem Bunde
Ist ja der Eichenbaum,
Der wächst aus tiefem Grunde
Zum hellen freien Raum.

Von Kleinen ist zu melden,
Was je die Großen hob,
Und Pforzheims treue Helden
Errangen ew'ges Lob.
Ja lasset alle Kleinen
Erst kühn und würdig sein,
Dann soll es bald erscheinen,
Wie Freiheit will gedeihn.

Mit deinen Kirchenhallen
Und südlich schöner Pracht
Den Deutschen zu gefallen,
Nimm, Augsburg, wohl in acht.
Im Lechfeld ist erlegen
Der Ungarn wildes Heer,
Nun schmiedet Ottos Degen
Zu freier Bürger Wehr.

Dich wird, o Bundesstätte,
Kein Welscher mehr entweihn;
Vielleicht ziehn weisre Räte
Bald wieder bei dir ein.
O Regensburg, empfange
Die Männer treu und wert,
Es wird mit Waffenklange
Ein Heldenrat geehrt.

Wenn einer Deutschland kennen
Und Deutschland lieben soll,
Wird man ihm Nürnberg nennen,
Der edlen Künste voll.
Dich, nimmer noch veraltet,
Du treue fleiß'ge Stadt,
Wo Dürers Kraft gewaltet
Und Sachs gesungen hat.

Das ist die deutsche Treue,
Das ist der deutsche Fleiß,
Der sonder Wank und Reue
Sein Werk zu treiben weiß.
Das Werk hat Gott gegeben,
Dem, der es redlich übt,
Wird bald sein ganzes Leben
Ein Kunstwerk, das er liebt.

Ihr hohen Fürstensitze
Von Wilhelm und von Franz,
Seid ewig ihre Stütze
Und ihrer Kronen Glanz.
Du sollst auf Deutschland wirken,
Entsündigtes Berlin;
Die Welschen wie die Türken
Vermeiden künftig Wien.

O Leipzig, Stadt der Linden,
Dir glänzt ein ew'ges Licht,
Zu dir den Weg zu finden,
Braucht man den Führer nicht.
Man wird es nie vergessen,
Wie Babels Turm erlag,
Man spricht von Leipzigs Messen
Bis an den Jüngsten Tag.

Wie man den Feind befehdet,
Das große Freiheitswerk,
Beschlossen und beredet
Ward es in Königsberg.
Am deutschen Eichenstamme
Du frisches grünes Reis,
Du meiner Jugend Amme,
Nimm hin des Liedes Preis.

Im Freiheits-Morgenrote,
In Moskaus heil'gem Schein
Kam ein geweihter Bote
Zu dir, der feste Stein.
Er zog in Kraft zusammen
Der Landesväter Kreis,
In den trug seine Flammen
Held Yorck, der strenge Greis.

Da brach mit Sturmes Schnelle
Hervor dein starker Sinn,
Nun maß mit andrer Elle
Der Kaufmann den Gewinn.
Nun trieben die Studenten
Erst recht die Wissenschaft,
Und alle Herzen brennten
In einer Glut und Kraft.

Du köstliches Geschmeide
Vom tapfern Preußenland,
O Stadt, im Glück und Leide
Gleich fromm und treu erkannt,
Am Weichselstrom, am Meere,
Mein Danzig, festes Haus,
Erblüht von Glück und Ehre
Für dich ein neuer Strauß.

Wie tief auch noch versunken
Die alte Herrlichkeit,
In Aschen glimmt ein Funken  
Wir wecken ihn zur Zeit.
Es kommt ein Tag der Rache
Für aller Sünder Haupt,
Dann sieget Gottes Sache;
Das schauet, wer geglaubt.

Dann wollen wir erlösen
Die Schwester, fromm und fein,
Aus der Gewalt der Bösen,
Die starke Burg am Rhein,
Die Burg, die an den Straßen
Des falschen Frankreichs liegt,
In der nach ew'gen Maßen
Erwin den Bau gefügt.

Indes, du freies Wesen,
Gedeihe weit und breit,
Der Herr hat dich erlesen
Zum Zeichen für die Zeit.
Die Fürsten sollen kommen
Samt ihrer Ritterschaft
Und lernen, sich zum Frommen,
Der Freiheit Wunderkraft.

In fester Mauern Mitte
Blüht eine frische Welt,
Da ward die milde Sitte
Zum Wächter wohl bestellt;
Die hat gar treu gehütet
Den anvertrauten Schatz,
Als rauher Sturm gewütet,
Stand sie an ihrem Platz.

Nun gilt's ein neues Bilden:
So komm in deiner Kraft
Aus himmlischen Gefilden
Zur Erde, Wissenschaft.
Man soll dich treulich pflegen,
Du teures Erb' und Gut,
Daß noch im Vätersegen
Der freie Enkel ruht.

O komm in unsre Säle,
In unsre Schulen komm,
Mit rechter Treu' uns stähle
Und mach' uns wieder fromm.
Es haben ja die Alten,
Die weisen, bärt'gen Herrn,
Den Glauben auch gehalten
Für alles Wissens Kern.

Frischauf, du Bürgerjugend,
In Waffen tummle dich!
Das heiß' ich rechte Tugend,
Zu kämpfen männiglich.
Der sei der Bürgermeister,
Der wohl die Waffen führt,
Im Rate kühn die Geister,
Im Feld sein Heer regiert.

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