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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 46
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Auf dem Schloß zu Heidelberg.

Es zieht ein leises Klagen
Um dieses Hügels Rand,
Das klingt wie alte Sagen
Vom lieben deutschen Land.
Es spricht in solchen Tönen
Sich Geistersehnsucht aus:
Die teuren Väter sehnen
Sich nach dem alten Haus.

Wo der wilde Sturm nun sauset,
Hat in seiner Majestät
König Ruprecht einst gehauset,
Den der Fürsten Kraft erhöht.
Sänger kamen hergegangen
Zu dem freien Königsmahl,
Und die goldnen Becher klangen
In dem weiten Rittersaal.

Wo die granitnen Säulen
Noch stehn auf Karls Palast,
Sah man die Herrscher weilen
Bei kühler Brunnen Rast.
Und wo zwei Engel kosen,
Der Bundespforte Wacht,
Zeigt uns von sieben Rosen
Ein Kranz, was sie gedacht.

Ach! es ist in Staub gesunken
All der Stolz, die Herrlichkeit:
Brüder, daß ihr letzter Funken
Nicht erstirbt in dieser Zeit,
Laßt uns hier ein Bündnis stiften,
Unsre Vorzeit zu erneun,
Aus den Grüften, aus den Schriften
Ihre Geister zu befrein.

Vor allen, die gesessen
Auf Ruprechts hohem Thron,
War einem zugemessen
Der höchste Erdenlohn.
Wie jauchzten rings die Lande
Am Neckar jener Zeit,
Als er vom Engellande
Das Königskind gefreit.

Viel der besten Ritter kamen,
Ihrem Dienste sich zu weihn.
Dort, wo noch mit ihrem Namen
Prangt ein Tor von rotem Stein,
Ließ sie fern die Blicke schweifen
In das weite grüne Tal.
Nach den Fernen soll sie greifen
In des Herzens falscher Wahl.

Da kam wie Meereswogen,
Wie roter Feuersbrand
Ein bittres Weh gezogen
Zum lieben Vaterland.
Die alten Festen bebten,
Es schwand des Glaubens Schein,
Und finstre Mächte strebten,  
Die Fremden zogen ein.

Weit erschallt wie Kirchenglocken,
Deutschland, deine Herrlichkeit,
Und es weckt so süßes Locken
Immerdar des Welschen Neid.
Wunden mag er gerne schlagen
Dir mit frevelvoller Hand,
Wie er in der Väter Tagen
Die gepriesne Pfalz verbrannt.

Zu lang nur hat gegolten
Die schmähliche Geduld;
Doch was wir büßen sollten,
Wie groß auch unsre Schuld,
Sie ist rein abgewaschen
Im warmen Feindesblut,
Und herrlich aus den Aschen
Steigt unser altes Gut.

Lange hielten drum die Wache
Jene Ritter an dem Turm,
Ob nicht käme Tag der Rache,
Ob nicht wehte Gottes Sturm.
Jetzt erwärmen sie am Scheine
Von dem holden Freiheitslicht,
Daß die Brust von hartem Steine
Schier in Wonn' und Liebe bricht.

So stieg nach dreißig Jahren,
Elisabeth, dein Sohn,
Der manches Land durchfahren,
Auf seines Vaters Thron.
Er tat, wie Ritter pflegen,
War seines Landes Schutz
Und bot mit seinem Degen
Dem Welschen Schimpf und Trutz.

Nimm denn auch auf deinem Throne,
Teurer, höchster Heldenschatz,
Angetan mit goldner Krone,
Deutschland, wieder deinen Platz.
Alles will für dich erglühen,
Alte Tugend ziehet ein,
Und die deutschen Würden blühen
An dem Neckar, wie am Rhein.

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