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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 38
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Das Bild in Gelnhausen.

Zu Gelnhausen an der Mauer
Steht ein steinern altes Haupt
Einsam in dem Haus der Trauer,
Das der Efeu grün umlaubt.

Und das Haupt, es scheint zu sprechen:
Starb die ganze deutsche Welt?
Will kein Mann die Unbill rächen,
Bis der Erde Bau zerfällt?

Und das Haupt, es scheint zu grüßen,
Fragend uns halb streng, halb mild.
Laß es uns in Demut küssen,
Das ist Kaiser Friedrichs Bild.

Herrlich hat sein Schloß gestanden
Hier vor langer ferner Zeit,
Als er nach den Morgenlanden
Zog in Gottes heil'gen Streit.

Rotbart, wie so fest gebunden
Hält ein Zauber dich gebannt?
Fließt hier Blut aus offnen Wunden,
Sind das Tränen an der Wand?

Alter Herr, ich kann dir melden
Reiches, schönes Freudenwort.
Schau', dort ziehn viel tausend Helden
In die Schlachten Gottes fort.

Und die Welschen sind geschlagen,
Und es siegt das heil'ge Kreuz,
Wieder kehrt aus deinen Tagen
Lebensfülle, Lebensreiz.

Magst nun dich zur Ruhe legen,
Altes stolzes Kaiserhaupt,
Deine Kraft, dein Waffensegen
Wird uns nimmermehr geraubt!

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