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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 15
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Königsbergsche Wehrlieder.

1. Lied der Maurer.

Mit drei gewalt'gen Schlägen
Rief uns der Meister auf:
Herbei von allen Wegen,
Gesellen, kommt zuhauf!

Was hilft uns alles Bauen?
Wir baun am Sitz der Not.
Was Steine zu behauen
Nach Winkelmaß und Lot?

Vom Roste wird gefressen
Die Mauer wie der Mut,
Von Räubern wird besessen
Der Bürger Haus und Gut.

Wie prangt im Königsgarten
Der Bau von Meisterhand!
Man konnte kaum erwarten,
Bis er vollendet stand.

Nun magst du einsam stehen,
O schönes Schauspielhaus,
Das Schauspiel, das wir sehen,
Treibt alle Lust hinaus.

Nun aus den Aschenhaufen
Die Vorstadt schnell erstand,
Spricht man von Feuertaufen,
Von Moskaus Wunderbrand.

Es stehn mit leeren Räumen
Die Speicher unbesucht,
Die freien Schiffer säumen,
Der Feind verdarb die Frucht.

Als an des Schlosses Toren
Wir jüngst den Bau gefügt,
Da klang in unsern Ohren
Ein Ton, der schwerlich trügt.

Er sprach von ew'gen Rechten,
Vom höchsten Eigentum,
Und wie man soll verfechten
Der Väter Schatz und Ruhm.

Die Rittergeister haben
Dich herrlich eingeweiht
Mit wunderbaren Gaben,
Haus der Gerechtigkeit.

Da sahen wir dich stehen,
Du starker kluger Rat,
Man konnte deutlich sehen,
Du sannst auf kühne Tat.

Herr Friccius willkommen,
Willkommen Rat und Held,
Die Waffen sind genommen,
Zeuch mit ins blut'ge Feld.

Zeuch mit zum deutschen Rheine,
Komm nach Westfalens Gaun,
Da sind viel rauhe Steine,
Viel glatte zu behaun.

Da wird aus Blut und Schmerzen
Das rechte Heil erst kund;
Gefallner Helden Herzen
Sind wohl ein fester Grund.

Da wollen wir begründen
Das deutsche Freiheitshaus,
Ein Mörtel soll es binden,
Der tausend Jahr' hält aus.

Der Mörtel heißet Wille,
Heißt Treu' und heißet Mut,
Gereift in heil'ger Stille,
Benetzt mit Heldenblut.

Der Mörtel sind wir alle,
Uns wählte Gottes Gunst;
So grüßt im heil'gen Schalle
Der Maurer freie Kunst!

2. Hans von Sagan.

Schustergesellenlied.

Hans von Sagan war geheißen
Einst ein fröhlicher Gesell,
Der im schönen Lande Preußen
Hat gefochten kühn und schnell.

Wo vom alten Bürgerwesen
Viel der goldnen Worte stehn,
In der Chronik ist zu lesen,
Wie er ließ die Fahnen wehn.

Ordensfahne war gesunken,
Und die Feinde drangen an,
Hans von Sagan, mutestrunken,
Stand, ein rechter Landwehrmann.

Wußte tapfer dich zu schirmen,
Königsberg, du gute Stadt,
Die an Brücken und an Türmen
Und an Schönheit Reichtum hat.

In zwei schmalen dunkeln Gassen,
An des alten Pregels Rand,
Aus den Buden winkt gelassen
Schwarzes Aug' und weiße Hand.

Grüß' euch Gott, ihr schönen Mädchen,
Laßt mich weilen vor der Fahrt,
Will euch nähn mit festem Drähtchen
Die Pantoffeln weich und zart.

Oben wohnen die Studenten,
Sitzen bei dem schwachen Licht,
Wenn wir nicht Studenten kennten  
In die Kammer laßt sie nicht!

Schneider sind zum Spott erlesen
In dem weiten deutschen Land.
Schneiderwerk und Schneiderwesen
Dienet euch zu Putz und Tand.

Schusterarbeit hält die Proben
Auf der Reise und im Feld,
Schusterarbeit muß man loben,
Die das Herz gesund erhält.

Schneider will den Leib umfahen,
Schuster kniet vor seinem Kind,
Sich in Züchten ihr zu nahen,
Bleibt er immerdar gesinnt.

Darum sie zum Tanze führen
Darf er am Johannisfest,
Wo der schönste Fuß sich spüren
Gern im schönsten Schuhe läßt.

Hans von Sagan war geheißen
Einst ein mutiger Gesell,
Der allhier im Lande Preußen
Hat gefochten kühn und schnell.

In der Vorstadt mit der Fahne
Auf dem Brunnen steht sein Bild,
Preußenmädchen, gelt, ich ahne,
Was dein freies Herz erfüllt.

Horch' die hellen Trommeln schallen,
Schau', das junge Volk erwacht,
Freudig aus des Remters Hallen
Zieh' ich in die blut'ge Schlacht.

Lebe wohl Gesellenlade,
Du mein werter Ältermann,
Meistertochter, deren Gnade
Ich im treuen Dienst gewann.

Von der Landwehr sollt ihr hören,
Auch von mir, dem Landwehrmann;
Schuster steht in hohen Ehren,
Welcher nähn und fechten kann.

Immer bleib' ich am Gewerke,
Wo Hans Sachs die Lieder singt,
Hans von Sagans Heldenstärke
Hoch die Kreuzesfahne schwingt.

3. Zimmergesellen.

Zimmergesell, Zimmergesell,
Wirf es hin, das braune Fell,
Richtscheit hin und Winkelmaß,
Weil der Feind das Recht vergaß.
Nimm die Waffen schnell,
Starker Zimmergesell.

Aber die Axt, aber das Beil,
Wirf sie nimmer fort in Eil',
Deines starken Armes Macht
Braucht sie wohl in offner Schlacht.
Wie den leichten Pfeil,
Starker, schwingst du dein Beil.

Und zum Maße den schlanken Stab
Brich im nächsten Eichwald ab;
Weil der Feind das Maß vergaß,
Halte du am rechten Maß,
Nach dem rhein'schen Schuh
Miß die Zahlung ihm zu.

Gottes schönster Bau, er zerfällt,
Und in Fesseln klagt die Welt.
Ist auch wer, der Säumnis kennt,
Wenn es in den Sparren brennt?
Frisch ins Waffenfeld,
Starker Bürger und Held!

Unsern Hauptmann wählen wir nun
Zu dem freien kühnen Tun,
Stimmet, wer im Felde führ'!
Du, o stattlicher Polier,
Kluger Zimmermann,
Zeuch dem Haufen voran!

In den Wäldern, zu dem Verhau
Und zum leichten Brückenbau
Schickt sich wohl der Zimmermann
Aber wohler wird's ihm dann,
Wenn es blitzt und kracht
In der freudigen Schlacht.

In dem Teutoburger Wald
Stehn die Bäume stark und alt.
Gäben wohl ein schönes Haus,
Doch uns überläuft ein Graus  
Der von Hermann spricht,
Baum, wir fällen dich nicht.

Steh noch lange, grünes Gezelt,
Freiheitszeichen aller Welt.
Deutschland heißet unser Haus,
Von dem Giebel weht ein Strauß,
Wenn der Bau gelang,
Tapfern Preußen zum Dank.

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