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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 142
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Seinem ältesten Freunde Karl Grafen von der Gröben.

Uns klingt aus alten Mären
Viel Wunders alter Zeit,
Von Helden reich an Ehren
Und arbeitvollem Streit.
Es dringt in Herz und Ohren
Die Kunde wie ein Pfeil:
Auch wir sind hochgeboren,
Zu gleicher Taten Heil.

Ein Freiherr, stark im Mute
Und freundlich als ein Kind,
Aus tapferm Hessenblute,
War also hochgesinnt;
Nicht also konnt' er's tragen,
Die Freiheit, meint' er, siegt,
Das Joch wird nun zerschlagen,
Das auf dem Volke liegt.

Vergebens war sein Mühen,
Die Zeit so trüb und schwer,
Der starke Held muß fliehen
Und ziehen übers Meer.
Zeuch hin, zeuch hin in Ehren,
Du frommer Pilgersmann,
Die Enkel wird man lehren
Von Dörnbergs edlem Bann.

Ein junger Graf aus Preußen,
Ein fröhlich Heldenkind,
Die Ketten zu zerreißen
Durch Tag' und Nächte sinnt,
Er konnte nicht gewinnen
Der Freiheit reichen Hort
Und zog im kühnen Sinnen
Hinauf zum fernen Nord.

O Heimat, reich an Freuden!
O Heimat, reich an Leid!
So klagen wohl die beiden
In trüber Banneszeit.
In England und in Schweden
Hört mancher tapfre Mann
Die freien kühnen Reden
Und freut und stärkt sich dran.

Da leuchten Moskaus Flammen,
Ein freudig Morgenrot;
Die von Thuiskon stammen,
Verstehn solch Heergebot.
Viel süße liebe Stimmen
Erklingen übers Meer,
Die beiden Kämpfer schwimmen
Auf schnellen Schiffen her.

Wo heiße Kugeln regnen
Und Blitze sprüht der Strahl,
Bei Lüneburg begegnen
Sie sich zum erstenmal.
Da sprang der Edeln Kette,
Das war ein schöner Tag,
Als auf dem harten Bette
Der Morand blutig lag.

Die beiden Männer grüßen
Sich nun mit ernstem Gruß,
Die beiden Herzen fließen
In eins, ein Heldenfluß.
Und schnell nach allen Seiten
Geht's wieder fort und fort,
Es galt ein muntres Streiten
An manchem lieben Ort.

Viel edle Herzen gaben
Sich hin dem frommen Brauch,
Drei Karle sind begraben
Und Bruder Wilhelm auch.
Scharnhorst, der Stille, Treue,
Er fing das Opfer an,
Friesen, der Schöne, Freie,
Und mancher deutsche Mann.

Wer mag die Wunder nennen
Aus jenem großen Jahr,
Das gläubige Entbrennen
Der ganzen Völkerschar!
Das klingt aus aller Herzen,
Es geht von Mund zu Mund
Und wird in späten Schmerzen
Dem welschen Enkel kund.

Und als zum zweiten Male
Die falsche Babel sank.
Aus goldner Beuteschale
Der deutsche Wehrmann trank,
Da war auch dir beschieden,
Mein Graf, ein Siegespfand,
Es bot in Lieb' und Frieden
Dir Dörnbergs Kind die Hand.

Der Dörnberg spricht zum Gröben;
»Das bringt uns reiche Lust!«
Als ob ihn Flügel höben,
Schwillt Gröbens kühne Brust.
Solch Kleinod zu gewinnen,
Wenn das Paris bewahrt,
Wer möchte nicht beginnen
Dahin die Ritterfahrt?

Nicht mehr die Stadt der Blinden,
Wo solche Augen glühn,
Nicht mehr die Stadt der Sünden,
Wo solche Palmen blühn.
Sie kommen froh zusammen,
Paris, an deinem Herd,
Da segnen ihre Flammen
So Karl als Dagobert.

Der Max will auch nicht säumen
Und grüßet fromm die Braut,
Er hat sie nur in Träumen,
Doch wie so klar, geschaut.
Und wie die Becher kreisen,
Und wie die Fackel glüht,
Beginnt in alten Weisen
Ein wunderbares Lied.

Auf euch, ihr Nordlandsgrüfte,
Blühn Kränze frisch und grün,
Wir hören durch die Lüfte
Viel alte Klänge ziehn;
O Morven, deine Hallen
Sind alle stumm und leer,
Die freien Töne wallen
Zu jungen Helden her.

Send' alle deine Lieder,
O Selma, diesem Kind,
Und blickt sie weinend nieder,
So tröste schnell und lind.
Soll sie den Namen führen
Von dir, du Harfenklang,
Mußt du ihr Leben zieren
Mit Saiten und Gesang.

Des Liedes Mächte walten,
Die Gräber werden leer,
Die herrlichen Gestalten
Der Vorwelt ziehn einher.
Die Schauer müssen weichen
Vor solchem Lebenspfand,
Auf Heldengräbern reichen
Die Kinder sich die Hand.

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