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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 138
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Frage an die Sängerin.

Den 1. April 1816.

Wo hast du deine Lieder her?
Was übst du für Gewalt?
Das Herz wird leicht, das Herz wird schwer,
Je wie dein Lied erschallt.

Am Neckar und am Donaufluß,
Im lieben Schwabenland
Hab' ich gehört so manchen Gruß
Und manchen Freund gekannt.

Wie schallt es dort aus alter Zeit,
Es schallt so frisch und neu
Von alter Sitt' und Redlichkeit,
Von junger Lieb' und Treu'.

Am Neckar hört' ich manchen Klang,
Der schlich ins Herz hinein,
So fließt getreu dem süßen Hang
Der Neckar in den Rhein.

Und wo die Tannen schlank und hehr
Im alten Hochwald stehen;
Hab' ich gelauscht auf alte Mär,
Auf Lieder fromm und schön.

Drum deucht mir's auch, im Waldeshut,
Mit langem Zopf und Band,
Hätt' ich in deinem süßen Mut
Dich schlankes Kind gekannt.

»Es pocht das Herz, es blüht der Strauß,«
Die Schwabenlieder sing,
Und gehn dir neue Lieder aus,
Die alten Klänge bring'!

Natur so treu und ewig wahr,
Du liebe ferne Zeit,
Ihr waltet schon viel tausend Jahr'
Und gestern so wie heut.

Der gleiche Traum, das gleiche Weh,
Die gleiche kurze Lust,
Vom tiefen Tal, von Bergeshöh'
Das Lied in jeder Brust.

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