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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 136
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Am ersten Mai 1816.

Hast du den Mai gesehen
In seinem hellen Strahl?
Da steht er auf den Höhen
Und schaut ins grüne Tal.

Er zog in leichten Träumen
Um deine Lagerstatt,
Nun streut er von den Bäumen
Dir Blüten auf den Pfad.

Nun schleicht er durch den Garten
Zu deiner Kammertür,
Noch eh' wir ihn erwarten,
Schaut er durchs Fenster hier.

Und ruft mit linden Worten,
Mit holdem Wink und Gruß:
Komm aus den dunklen Pforten,
O komm herab zum Fluß,

Und sieh die Lerche steigen,
Den hohen, fernen Schall,
Hör' aus den dichten Zweigen
Den Schmerz der Nachtigall.

Das sind die alten Klänge,
Das ist das liebe Leid,
Die zärtlichen Gesänge,
Die jedes Jahr erneut.

Geheime Wünsche brechen,
Den Blüten gleich, hervor,
Und hundert Stimmen sprechen,
Komm Liebchen, komm ans Tor!

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