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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 134
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Häusliches Stilleben.

1. Das Zimmer.

Willkommen, stille Zelle!
Wie fröhlich zieh' ich ein
In deine milde Helle,
Du trautes Kämmerlein.

Ihr Bilder, leicht geflügelt,
Bleibt immer draußen stehn,
Die Tür ist zugeriegelt,
Und ihr müßt weitergehn.

Doch kenn' ich wohl Gestalten,
Die zogen mit hinein,
Die mögen frei hier walten
Und meine Meister sein.

Das Wirken und das Weben,
Es hört wohl niemals auf,
All das geheime Leben
Hält immer seinen Lauf.

Ihr Kindlein, schlafet selig
Und spielt und füllt das Haus,
O bilde dich allmählig,
Du liebe Zukunft, aus.

O Zweig, wann willst du grünen
Gleich Aarons heil'gem Stab?
Du blühst wohl aus Ruinen
Und stehst auf manchem Grab.

Brich unter Lust und Schmerzen,
O Leben, brich heraus;
Erblüh' aus meinem Herzen,
Du reifer, voller Strauß.

Willkommen, stille Zelle!
Ich ziehe gläubig ein;
Bald soll mir deine Schwelle
Des Himmels Stufe sein.

2. Das Fenster.

Mein Fenster geht nach Morgen,
Nach Morgen geht mein Sinn;
Da ziehen meine Sorgen
Und meine Sehnsucht hin.

Ihr Mitternachtsgesichte,
Nun weichet weit zurück;
Mich grüßt vom reinen Lichte
Der erste frühe Blick.

Die Luft um Brust und Locken
Mir spielet frisch und mild,  
Wohin denn willst du locken,
O Luft, so gotterfüllt?

Die fernen Klänge dringen
So rührend in mein Ohr,
Hinauf möcht' ich mich schwingen
Zum Aufgang hoch empor.

Das goldne Tor steht offen,
Die liebe Stimme spricht,
Da weilt mein süßes Hoffen,
Da wohnt das ew'ge Licht

3. Der Garten.

In den Garten muß ich blicken,
In das frische stille Grün,
Tausend Wünsche muß ich schicken
Fernhin, wo die Schwalben ziehn.

Fliegt nur mit den Morgenwinden,
Mit den Wolken flieget fort,
Eure Heimat sollt ihr finden,
Liebe Wünsche, Ziel und Ort.

Rückwärts will ja nicht mein Sehnen,
Nimmer in die Eitelkeit;
Diese Seufzer, diese Tränen
Gelten keinem Erdenleid.

Über Wolken, über Sterne
Aufwärts, aufwärts, himmelwärts,
Neubelebt, in sel'ger Ferne
Sink' ich an das große Herz;

Wo die Wunden nicht mehr drücken,
Wo das Heer der Wünsche schweigt
Und zu mir mit süßen Blicken
Sich die ew'ge Liebe neigt.

Aus den Wipfeln will es steigen,
Mein geliebtes Wunderbild,
Nach des Gartens grünen Zweigen
Blick' ich still und lusterfüllt.

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